Mannheim
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  1. 1861-01-01 · Heft 1 · page 217

    199 Es erfreuen sich Viele an dem Gedanken, die Wissenschaft fei, fast wie ein Göttliches, weit über Alles gestellt, was den Menschen als Sterblichen bewegt, m ihr selbst walte weder Leidenschaft noch apathische Ruhe, sondern in niestockend…

  2. 1861-01-01 · Heft 1 · page 218

    200 der Zeit der erwachenden Wissenschastlichkeit die geistige Persönlichkeit der an Zahl noch kleinen, großen Männer eklatanter hervorstechen mußte, eben so sehr auf die Persönlichkeit derselben im praktischen Leben gespannt war, und man d…

  3. 1861-01-01 · Heft 1 · page 219

    201 indem wir nun zur Berücksichtigung des 24. Novembers dieses Jahres, als des zweihundertsten Geburtstages Spinozas, Jeden, der Achtung hegt vor diesem Namen, Sinn besitzt für den erwähnten Gebrauch, auffordern: ziehen wir uns bei der Fra…

  4. 1861-01-01 · Heft 1 · page 220

    202 stellung, daß ich in meinen bisherigen literarischen Arbeiten nicht aus den Gränzen der philologischen Wissenschaften nach verschiedenen Richtungen hin herausgetreten, jetzt zum ersten Male unternehme, zu einem größern, weitern Kreise z…

  5. 1861-01-01 · Heft 1 · page 221

    Benkdlktus Fpino^a's Leben. ^enediktus*) Spinoza erblickte das Licht der Welt am 24. November des Jahres 1632 in der Stadt Amsterdam unter der Herrschaft des Erbstatthalters und der Generalstaaten, und verblich am 21. Februar des Jahres 167…

  6. 1861-01-01 · Heft 1 · page 222

    204 Talmuds. Dennoch erwecken diese Studien den Scharfsinn ungemein, und schärfen ihn zu einem hohen Grade. Denn für die spitzfindigsten und detaiüirtesten Fragen, welche unzählig in diesen weitläufigen Schriften aufgeworfen werden, ohne da…

  7. 1861-01-01 · Heft 1 · page 223

    205 des reifenden Jünglings in Kampf traten mit dem Bewußtwerden der talmudischen Exegese, ward sein entwickeltes Streben nach wahrhaftem Aufschluß wieder auf den Text zurückgeführt, den er von neuem unabhängig studirte, alsdann mit dem Tal…

  8. 1861-01-01 · Heft 1 · page 224

    206 erlernte jetzt die lateinische Sprache, nachdem er die hebräische, italienische, spanische, portugiesische, deutsche und holländische kennen gelernt. Sein Lehrer war zuerst ein Deutscher, den er aber, da er ihn nicht ausreichend fund, v…

  9. 1861-01-01 · Heft 1 · page 225

    207 fand er zum ersten Male ausgesprochen, was seinem Geiste Vorgeschwebt: man dürfe nichts als wahr annehmen, was nicht vorher durch feste Beweisgründe erprobt ist. Je schärfer, je unbeugsamer er diesen Grundsatz — der freilich! durch die …

  10. 1861-01-01 · Heft 1 · page 226

    208 nungen von Spinozas Hand, unter denen sich mehrere Porträts bedeutender Personen, die er gesehen, oder die ihn besucht hatten, und aus dem vierten Blatte sein eigenes unter Vorstellung des bekannten Fischers und Rebellen-Häuptlings Masa…

  11. 1861-01-01 · Heft 1 · page 227

    209 Hiermit jedoch soll, wie Boullainvilliers mit der geschwätzigsten Breite erzählt, worüber aber Coller schweigt, der Rabbiner Morteira nicht zusrieden gewesen sein, sondern auch von dem Magistrate der Stadt gefordert haben, daß Spinoza a…

  12. 1861-01-01 · Heft 1 · page 228

    210 die Stadt, den Haag (Brief 47., 50., 53., 54., 66., 68. 70.), wo er bis zu seinem Tode lebte. Er wohnte hier zuerst auf dem Veerkay bei der Wittwe van Beiden in demselben Zimmer, welches hernach sein redlicher Biograph, der Prediger Eol…

  13. 1861-01-01 · Heft 1 · page 229

    …m Zimmer. Wenn er von seinen Studien ermüdet war, ging er zu seinen Wirthsleuten hinab, und sprach mit ihnen selbst von allerhand Kleinigkeiten. Bisweilen rauchte er auch, sich zu zerstreuen, eine Pfeife Taback, oder, wollte er sich noch weiter verg…

  14. 1861-01-01 · Heft 1 · page 230

    212 an Leibnitz hervorleuchten, worauf wir hiermit aufmerksam wachen. — Seine Uneigennützigkeit wird nicht allein bewiesen, wenn man seinen Freunden nacherzählt, daß sie ihm oft ihre Börse zum Gebrauche angeboten, er aber sie zurückwies, so…

  15. 1861-01-01 · Heft 1 · page 231

    213 den Schein in ihre Hände, wodurch sie denn bewogen wurden, sie ihm mit gutem Willen zuzugestehen. — Aber nicht allein uneigennützig, sondern auch freigebig bei seinen beschränkten Mitteln war Spinoza. Von dem Wenigen, was er hatte, lieh…

  16. 1861-01-01 · Heft 1 · page 232

    214 wissenheit, welche sie unter die Thiere setzt; die anderen blähen sich auf, dem Geist der Einfältigen imponirend, indem sie diesen, eine Welt falscher Ideen für Orakel geben." Er behauptete, daß nur die, welche sich von den Vorurtheilen…

  17. 1861-01-01 · Heft 1 · page 233

    215 nicht für gut fand, dictirt hatte, durch einen Freund veröffentlicht habe, welcher, sie bevorredend, darin erklären mußte, daß nicht Alles, was in diesem Buche enthalten wäre, seineeigene Meinung, die oft gerade auf's Entgegengesetzte a…

  18. 1861-01-01 · Heft 1 · page 234

    216 Als er daher im Juli 1675 eine andere Abhandlung (wahrscheinlich die Ethik) erscheinen lassen wollte, suchten es die Theologen zu hintertreiben, indem sie ihn bei den Behörden anklagten: er wolle darin beweisen, daß es keinen Gott gebe.…

  19. 1861-01-01 · Heft 1 · page 235

    217 Spinoza die Pension von sich ab, indem er dem König kein Buch widmen wollte. Dennoch blieb seine Reise von einer andern Seite nicht ganz ohne Folgen. Man wiegelte nämlich den Pöbel im Haag auf, Spinoza, der so schon als Freund der Will …

  20. 1861-01-01 · Heft 1 · page 236

    218 Ihnen der Jahrgehalt ausgezahlt werden, welchen die ordentlichen Professoren jetzt erhalten. Nicht anderwärts würden Sie einen großen Geistern, unter welche er Sie zählt, günstigeren Fürsten finden. Sie sollen die weiteste Freiheit zu P…