Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 237)
- Language
- German
- Belongs to
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219 -er Jugend widmen wollte. Alsdann denke ich, daß ich nicht weiß, in welche Grenzen jene Freiheit zu philosophiren eingeschränkt werden müßte, um nicht zu scheinen, die öffentlich festgestellte Religion verwirren zu wollen: denn die Schismata entspringen nicht sowohl aus einem glühenden Eifer für die Religion, als aus der mannichfaltigen Leidenschaft der Menschen oder dem Eifer, zu widersprechen, in welchem sie Alles, wenn es auck recht gesagt worden, zu verleumden und zu verdammen Pflegen. Und da ich dieses schon erfahren habe, während ich ein privates und eingezogenes Leben führe, so habe ich es um desto mehr zu fürchten, wenn ich eine solche Würde erlangt haben werde. Sie sehen also, daß ich nicht an der Hoffnung besserer Glücksgüter hänge, sondern aus Liebe zur Ruhe nur, welche ich aus irgend eine Weise erhalten zu können glaube, öffentlichen Vorlesungen entsage. Weshalb ich Sie auf's inständigste bitte, von Sr. Durchlaucht dem Pfalzgrafen zu fordern, daß mir über diese Sache länger zu berathen gestattet sei u. s. w» Haag, den 30. März 1673. Wir können leicht aus diesen Briefen absetzn, daß Spinozn vorzüglich durch jene ungewisse Formel, welche ihm Freiheit und Schranken zugleich verhieß, abgehalten wurde, die Stelle anzunehmen. Denn wenn dieses kein Beweggrund gewesen wäre, so hätte er es in seiner Antwort nicht so besonders zu erwähnen gebraucht. Die bitteren Erfahrungen seines Lebens hatten ihn gelehrt, solche Formeln richtig zu würdigen, durch welche auf indirekte Weise ein direktes Zugeständniß, wie die Freiheit zu Philosophiren, nach Belieben aufgehoben werden kann; und wir können es nicht anders als eines Philosophen würdig erachten, daß Spinoza lieber allen glänzenden Hoffnungen entsagte, als selbst jenen Unruhen und Kämpfen^ welche über ihn hereingebrochen wären, blindlings entgegen zu gehen. Sein Leben war so nur noch auf wenige Jahre begränzt