Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 256)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3138070-3138077-3138078--0544-3138634- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
238 suchen, in nichts zu finden scheint. Aber aus dem stechenden. Blicke des wie aus einem Dunkel, aus dem Hintergründe der Orbita heller strahlenden Auges, aus der frei und hochgewölbten Stirn, aus der-klingenden Stimme leuchtet und tönt dir ein Geist hervor, der nicht ahnend die Fußbreite, welche ihn vorn Grabe trennt, freundlich in der Zukunft lebt, und dessen ungeschmälerte Kraft noch mitten im Schachte des Lebens zu blühen scheint. Und doch — nein! es ist keine Kraft, denn ihm ist die. Gegenwart ein Gespenst, und nur die Zukunft ein winkender Engel; wie im Körper, so ist auch im Geiste keine rechte Haltung mehr, in ihm, der nicht mehr frei durch alle Thale des Lebens nach allen Seiten der bewegten Welt hinschaut, sondern sich fest hangend, an Eines, nur Dieses sieht und treibt > mit Sedulität und wohl auch mit Glück. Ach! -es ist Alles nur Täuschung, Ruhe ist es , der ihr Geist und ihr Körper bedarf, und diese finden sie am ehesten untere der Erde. — Es kommt hier darauf an, welchen Bildungsweg dieser schwindende Mensch vor der Entwicklung, dieses seines krankhaften Ichs genommen, und wir können bisweilen dergleichen bewundern,, die, wie ein gereinigtes Heiligthum der Humanität, alles Leidenschaftlichen, alles irdischen Bedürfnisses ledig und baar wurden, deren Geist, wie allmälig der Körper seine Bande löst, so gleichsam aus einer Jakobsleiter immer näher zum Himmel steigt. — Aus einzelnen Winken über Spinozas körperlichen Zustand in seinen letzten Jahren (selbst aus den unverkennbaren Zügen seines Gesichtes), geht hervor, daß Spinoza fest seinem 24. Jahre schon dem Grabe durch eine langsame Lungenschwindsucht. , entgegen ging , deren Lauf er nur durch seine ungemeine Mäßigkeit,, durch, unerheuchelte Ruhe und Leidenschaftlosigkeit, durch die .Enthaltung von jedem aufreibenden Genusse verzögerte. Wie die Jahre feiner Jugend von der Fülle eines regen, reizbaren, umfassenden Geistes bewegt und geschmückt waren, wie wir in. jenem irritabeln dis- 4wnirenden Vorzustand den Anklang finden im Kreise des