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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 246

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 246)
Language
German
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228 wissen idiosyncratischen Feuer hervorgeht, mit dem das einmal Angenommene festgehalten wird. Diese Hartnäckigkeit, d. i. diese Konsequenz der geistigen Haltung ist in dem Stamme erblich, wie in einer sanguinischen oder phlegmatischen Familie ein solches Temperament, zumal wenn keine Vermischung mit anderm Blute statt findet. Indem nun zu dieser Anlage die bürgerliche Stellung tritt, durch welche der Jude. von allen Seiten zurückgestoßen, immerfort aus sich selbst angewiesen wird, zieht er stch in sich selbst zurück, und vermehrt die Stärke seines Gemüths, auf sich selbst zu beruhen, immer mehr. Ward nun in der rabbinischen Schule durch die Eigenthümlichkeit der Lehrgegenstände und Lehrweise (fast autodidaktisch) frühzeitig diese angegebene Anlage entwickelt, so hielt sie zugleich die in ihr Beschäftigten von aller Berührung mit der Welt zurück und stumpfte so den Sinn für die Außenwelt völlig ab, indem sie, selbst in den trägsten Köpfen, den Sinn für geistige Beschäftigung (Leider! nur in ihrem beschränkten Kreise) erweckte. Mit dieser wirklichen Ertödtung der sinnlichen Reizbarkeit ist denn naturgemäß äußerste Mäßigkeit, Gerechtigkeitsliebe, und somit sittlicher Lebenswandel, sich einherziehend zwischen den religiösen und ceremoniellen Schranken, verbunden. Da sich nun alle diese Eigenschaften, noch dazu auf nicht gewöhnliche Weise, in unserm Spinoza frühzeitig entwickelten, so bedurfte es weiter nichts, als daß. in seiner Seele die geistige Freiheit, welche dem Menschen der Schöpfer einpflanzte, durch die rabbinische Schule nicht unterdrückt, sondern früh geweckt und angeregt wurde. War dieser Trieb der menschlichen Natur einmal in ihm geweckt, so mußte ihn die angeerbte und anerzogme Konsequenz und Sedulität des Geistes zwingen, es nichd bei einem dunkeln Gefühl bewenden zu lassen, sondern, nachgehend dem erschienenen Strahle, das Dämmerlicht zu zertheilen, die Nebel zu zerstreuen, auf daß das Licht des Tages ihn die Dinge in wahrhafterer Gestalt sehen lasse. Da nun dieser Prozeß auf so glänzende Weise in der Seele des jungen Spinoza

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