Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 238)
- Language
- German
- Belongs to
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220 And wir haben jetzt nichts mehr zu thun, als unverfälschte Nachrichten über seine letzte Krankheit und seinen Tod beizubringen. Da nämlich schon Eoller nach den glaubwürdigsten Zeugnissen alle die schmählichen Berichte, welche über Spinoza's Todesart ausgestreut waren, widerlegt hat, so wollen wir hier derselben gar nicht erwähnen, um nicht aus dem ganzen Leben Spinozas eine ununterbrochene Anklage der Menschen zu machen. Spinoza war seit 20 Jahren (erstand jetzt in seinem 44. Lebensjahre) von ungesunder Körper- Eonstitution, mager, phthisisch, bei welcher er sich nur durch die äußerste Mäßigkeit und strengste Diät erhielt. Dennpch vermuthete man sein Ende nicht so nahe. Am 20. Februar 1677, es war der Sonnabend vor Fastnächten, kamen seine Wirthsleute um 4 Uhr aus der Kirche, wo sie die Vorbereitungs - Predigt zur Sonntägigen Communion gehört. Spinoza besuchte sie, rauchte eine Pfeife Taback, und unterhielt sich lange mit ihnen über die Predigt, die sie gehört. Darauf zog er sich auf sein Zimmer zurück, und legte sich frühzeitig nieder. Sonntags früh, ehe sie in die Kirche gingen, kam er wieder herunter, und unterhielt sich mit ihnen: er hatte einen Arzt aus Amsterdam kommen lassen (welchen Coller nur mit L. M. bezeichnen konnte; mit Grund glauben wir, daß es der Arzt Ludwig Meyer war, der langjährige Freund And Herausgeber der Cartesischen Demonstration und nachgelassenen Werke Spinozas), der einen alten Hahn kaufen und sieden zu lassen befahl, von dem Spinoza die Brühe um Mittag mit. Appetit verzehrte. Nachmittags blieb der Arzt Allein bei Spinoza, seine Wirthsleute gingen wieder in die Kirche. Da vernahmen sie zu ihrem großen Erstaunen beim Herausgehen aus derselben, daß Spinoza um 3 Uhr in Gegenwart des Arztes verblichen sei. Dieser Arzt kehrte noch denselben Abend mit dem Nachtboote nach Amsterdam zurück, ohne sich im Geringsten um den Leichnam zu bekümmern, doch hatte er sich eines Ducaten und eines silbernen Messers