Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 243)
- Language
- German
- Belongs to
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225 Descartrschen Philosophie die Stütze Mr ein selbststäüdiges Geistesleben. Aber er Wt auch hier sich nicht Mendeü bon den Bestimmungen seines Lehrers, auch hier bewahrt er sich die Freiheit der Denkkrast, und ist im Stande, die Verwickelung des Gewebes zu durchschauen. Von hieraus geht er daher seinen Weg allein. Wie er durch seine Erziehung nicht der allgemeinen Gegenwart angehörte, sondern der gesonderten, damals vielfach veralteten Bildung eines in sich beharrenden und isolirten Volkes: so gehört das Streben seines Geistes auch ferner nicht dem Charakter seines Zeitalters an, sondern geht kühn in eine nach anderthalb Jahrhunderten sich erst entwickelnde Bildung ein. Somit hat er aber auch die Kraft gewonnen, aus sich selbst zu bestehen , und da er fich einmal von dem, worin ihn seine Geburt versetzte, loszureißen die Macht hatte, auch die Fähigkeit errungen, Niemandem aus der Gegenwart fernerhin anzugehören. Darum vermag er auf einer einsamen Höhe allein zu stehen, darum seine Untersuchungen für sich zu fördern. Er war bestimmt, der Träger eines Zukünftigen zu sein, und wenn' wir ihn als Menschen bedauern, weil er für fich selbst den Genuß seines Lebens verlor, und wenn wir ihn als Jsraeliten bedauern, weil er seinen Glaubensgenossen verloren gegangen: so können wir doch unser Mitleiden beschwichtigen durch den Gedanken, daß er in der Kraft seines Geistes und dem Bewußtsein seiner Erwerbnisse Ruhe, Zufriedenheit und Genuß fand. In dem Kreise einer streng gläubigen Familie erzogen, reißt er fich von ihr los, der Wissenschaft wegen, weist er die Lockungen zurück, welche ihn in den Schranken des alten Glaubens festhalten sollen, läßt er fich mit Dolch und Bann verfolgen, der Wissenschaft wegen, der Befriedigung seines freiheitbegierigen Geistes halber. Von wmigen meist falschen Freunden selten besucht, von der Mitwelt nicht anerkannt, sondern verdammt, kaum in der Aussicht, daß eine hellere Nachwelt seinen Namen glänzend rechtfertigen werde, ii. 15