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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 244

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 244)
Language
German
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226 verbringt er mit kärglicher Kost sich begnügen-, ohne Gattin und Kinder seine Tage einsam in der düstern Umgebung eines Hofes, von dem Siechthume eines abzehrenden Körpers gequält. Dennoch kommt keine Klage über seine Lippen, gleich freundlich trifft man ihn zu jeder Zeit geneigt, in sanftem Gespräch zu erheitern und zu unterrichten; gern theilt er sogar von seinem geringen Besitzthum mit, und zeigt sich vor Allem uneigennützig in allen Handeln der Welt. Hiefür suchen wir vergebens ein Gleichniß in den Erscheinungen der Natur, denn es ist ja keine erstarrte Wüste, nicht die Trümmer eines ausgebrannten Vulkans, oder die Reste eines untergegangenen Riesengeschlechtes, sondern in Mitten einer äußern Oede wühlt ein hoher Geist unter den Geheimnissen der Schöpfung undes Seins, klopft ein edles Herz für die ewigen Interessen der Menschheit. Um über diesen zugleich strengen und milden Charakter Aufschluß zu gewinnen , müssen wir unsere Leser zuerst auf eine merkwürdige psychologische Erscheinung aufmerksam machen. Dttrch die unglücklichen Verhältnisse, in welche die Juden seit der Zeit der Römer versetzt waren, hatten sie vermittelst ihrer Beschäftigung und ihres Gewerbzweiges, zu denen sie gezwungen waren, und vermittelst der unerhörten Bedrückungen, die sie selbst.in diesem einzigen, ihnen erlaubten Geschäftskreise zu erleiden hatten, sich den. Charakter einer wenige Mittel zurückweisenden Gewinnsucht erworben. Zugegeben also, daß dieses Laster durch die Umstände herbeigeführt worden, so hatte man Grund genug, sie desselben zu zeihen. Vor den Klagen aber über diese schlechte Eigenschaft übersah man den Charakter eines Standes, der sich unter ihnen längst gebildet hatte, und ganz entgegengesetzte Eigenschaften besaß: es ist dies der Stander Rabbinen. Abgeschlossen von der andern Welt, nur in dem Kreise ihres talmudischen Forschens auferzogen, lebend und sterbend, kann man sich nicht vorstellen, welche Vergessenheit des körperlichen Daseins und körperlicher Genüsse, welche Mäßig-

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