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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 248

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 248)
Language
German
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230 die Meere beherrschenden Holland wohnenden portugiesischen Juden namentlich des 17. Jahrhunderts besonders die Kenntniß der lateinischen Sprache gewöhnlich war, will ich nur des völlig orthodoxen Rabbiners erwähnen, Menasseh ben Israel, welcher, ungefähr zwanzig Jahre alter als Spinoza, die meisten seiner Schriften lateinisch geschrieben hat. -Nachdem nun Spinoza in den ersten zwei Decennien seines Lebens die talmudischen Studien genügend absolvirt, scheint es also auch ihm nach dieser allgemeinen Richtung gestattet gewesen zu sein, lateinisch zu erlernen, und sich so die Bahn zu allen freieren Wissenschaften zu eröffnen. Mögen wir also mit dieser Andeutung zufrieden fein, und betrachten wir nun, wieweit in Spinoza's Seele dieses Erwachen der geistigen Freiheit gedieh. Die Aushebung der Autorität des Talmuds und der Rabbinen, durch das bei jüdischen Jünglingen in damaliger Zeit nur sehr oberflächliche Studium des Alt. Testaments wankend gemacht, durch die Cartesische Philosophie und das Studium der alten Elassiker (von dem sich häufig genug in seiner theologisch-politischen Abhandlung Spuren finden,) vernichtet, mußte in dem Geiste Spinoza's auf sein ganzes Leben jene Feindin aller Gebundenheit, die Kritik, als wichtigstes Element zurücklassen; für ihn hatte Deskartes proclamirt: nichts darf für wahr angenommen werden, was nicht vorher durch feste Beweisgründe erprobt worden; und seine Lossagung vom Talmud galt nicht, wie bei so Vielen, um sich einem andern Leiter blindlings zu ergeben, sondern um sich selbstständig zu machen für immer— auch die Cartesischen Prinzipien sichtete er für sich, und stellte sich kritisch über sie: und das schon früh, da die Demonstratio principiorum noch vor seiner Abreise von Amsterdam, also schon vor seinem achtundzwanzigsten Lebensjahre geschrieben war, und er diese einem Jüngling diktirte, den er in seine eigentliche Meinung nicht ganz einweihen wollte.

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