Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 247)
- Language
- German
- Belongs to
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229 vorging, so fragen wir uns, was wohl die Ursachen gewesen, die theils diesen Zustand vermittelt und hervorgerufen, Heils unterhalten und ausgebildet haben. — Hier freilich wünschen wir die Geschichte seiner Kindheit und Jugend genauer zu kennen. Denn so ursprünglich auch im sich entwickelnden Genie die Kraft des Geistes sein mag, durch welche der Sturm der Freiheit gegen den auferlegten Zwang hereingebracht wird, so bedarf es doch äusserer Anregungen, durch welche der noch schlummernde Genius zum kritischen Kampfe geweckt wird. Nun aber können wir diese in absichtlichen Verhältnissen der Familie nicht suchen, denn diese wird uns durch unleugbare Zeugnisse und Thatsachen als strengsüdisch vorgestellt. Von andrer Seite möchten wir es nicht wagen, seinen Lehrer van dem Ende, der freie Gesinnung gehegt haben soll, und dessen geistreiche Tochter gradezu als Vermittler anzunehmen, da wir kein wirkliches Zeugniß dafür anzubringen haben, obgleich die Richtung, welche er zu und nach der Zeit dieses Unterrichts eingeschlagen, zu den Naturwissenschaften nämlich, durch diesen Lehrer, der eigentlich Arzt war, wohl bewirkt worden sein mag. Damit wäre aber auch im Grunde auch nichts geholfen, denn wir müßten doch weiter fragen, wieso Spinoza aus seiner rabbinischen Schule zu van dem Ende kommt, oder überhaupt zum Studium der lateinischen Sprache und alles dessen, was sich für einen wißbegierigen Kopf hieran knüpfen mußte? Hierüber nun glaube ich, folgendes mit Grund beibringen zu können. Die sogenannten portugiesischen Juden zeichneten sich von frühester Zeit vor den deutschen (oder sogenannten polnischen) Vortheilhaft aus, daß sie viel geneigter waren, sich einer Bildung hinzugeben, welche der europäischen gleichkam. Obgleich sie daher nicht im geringsten in der Strenge der Gebräuche nachließen, beschäftigten sie sich gern mit der Erlernung fremder, neuerer und auch alter Sprachen, mit der Erwerbung gemeinnütziger Kenntnisse. Als ein Beispiel, wie unter diesen in dem damals