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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 252

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 252)
Language
German
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234 die mit den ihrigen in Berührung standen. Und so geschaht. — Diese Einsamkeit, dieses Fremdsein und Alleinstehen für sein übriges Leben durchdrang ihn mit einer rührenden Wehmuth, welche die Härte seines Charakters milderte, seine einzige Leidenschaft, die für Wahrheit/ reinigte, und eine Ruhe über ihn verbreitete, die mit einem sanften Lächeln auf dem Gesichte die offene, aber verheimlichte Wunde des Herzens verdeckt. Wissen wir jetzt, welche herbe Täuschungen er noch außerdem erlitten und durchgemacht? Aus dieser Wehmuth erklärt sich eine Eigenthümlichkeit Spinoza's, die höchst selten erscheint, und die ihn noch höher hebt in unseren Augen. Wenn nämlich ein Geist die Stärke besitzt, sich aus einem Gespinnste von Eindrücken aus der Kindheit her, loszuwinden, ferner, wenn es ihm gelingt, sich eine eigne Welt zu erschaffen, vom Lichte der Vernunft durchdrungen: dann hat er sich wie jene alten germanischen Stämme ein Land erobert, um das herum eine große Wüste, ein weites mit Trümmern besäetes Feld Zeugniß geben soll von der Größe des Eroberers: in der Stärke seines Geistes ist er intolerant gegen alle übrigen geworden, und aus seiner Region sieht er nur mit feindlichen Blicken herab. Das war Spinoza nicht: seine Konsequenz war immer nur nach dem einzigen geistigen Punkte gerichtet, Bildung seiner selbst aus Allem, was ihm als Vorurtheil und Befangenheit erschien, heraus. Wir haben in seinem Leben häufig genug bemerkt, wie er gewöhnliche Geister in dem Kreise geziemender Frömmigkeit festzuhalten und zu verfestigen suchte, und wohl erkannt hatte, daß man denen nicht die Schranken zerbrechen müsse, die in's Freie zu blicken nicht vermögen. Er war nachsichtig gegen Jedermann, nur nicht gegen sich. Er kam zu der großartigen Anficht, daß „die Leidenschaften keine Fehler der menschlichen Natur, sondern Eigenthümlichkeiten derselben sind, die zu ihr so nothwendig gehören, wie zur Natur der Luft Hitze, Frost, Sturm u. s. w." — In dieser Wehmuth , die

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