Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 225

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 225)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3138070-3138077-3138078--0513-3138603
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

207 fand er zum ersten Male ausgesprochen, was seinem Geiste Vorgeschwebt: man dürfe nichts als wahr annehmen, was nicht vorher durch feste Beweisgründe erprobt ist. Je schärfer, je unbeugsamer er diesen Grundsatz — der freilich! durch die Philosophie selbst immer wieder als undurchführbar erwiesen wird — annahm und zu bethätigen strebte, desto mehr mußte das Band zerreißen, das ihn mit dem Rabbinismus verknüpfte, dessen Autorität er nunmehr ungeprüft nicht anerkennen konnte. Neben seinen gelehrten Studien hatte Spinoza längst daran gedacht, ein Metier zu erlernen, dessen Ausübung seinen Lebensunterhalt sichern könne. Der Beweggrund hierzu scheint uns nicht der, welchen der Prediger Koller, der ächteste Biograph Spinozas, angiebt, nämlich weil im Talmud, namentlich Pirke Aboth Kap. 2. die Erlernung eines Metiers auch dem Gelehrten empfohlen wird. Sondern er scheint uns zu liegen in der Dringlichkeit der Umstände, da er, zum Rabbiner erzogen, diesem Stand entsagte, eben so wenig aber durch die positive Annahme des Khristenthums, für die sich durchaus kein Erweis, ja nicht einmal irgend eine Spur findet, sich ein christliches Amt erwerben wollte. Sowohl die Unbemittelt- Heit seiner Familie, von welcher er sich ja auch durch seine Entfremdung vom Judenthume losriß, als auch die Unabhängigkeit seines Charakters, welche ihn Geschenke von Freunden, selbst wenn er dergleichen damals schon zu erwarten gehabt hätte, verschmähen ließ, mußte ihn daraus verweisen. Genug, er erlernte das Gläserschleifen, und dies so vollkommen, daß er genug Arbeit erhielt, um seinen geringen Bedürfnissen dadurch abzuhelfen. Noch nach seinem Tode fand man in seinem Zimmer eine Anzahl Brillen, welche theuer verkauft wurden (nach dem Auktions-Catalog, den Koller sah). Neben dieser Kunst lernte er auch Zeichnen und gelangte dahin, mit der Feder oder Kohle ein Portrait genügend zu verfertigen. In den Handen seines letzten Wirthes, van der Spyck, sah man noch lange nach seinem Tode einen Band Porträtzeich-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.