Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 231)
- Language
- German
- Belongs to
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213 den Schein in ihre Hände, wodurch sie denn bewogen wurden, sie ihm mit gutem Willen zuzugestehen. — Aber nicht allein uneigennützig, sondern auch freigebig bei seinen beschränkten Mitteln war Spinoza. Von dem Wenigen, was er hatte, lieh er Hülfsbedürstigen gern. Als er einst hörte, daß ein Mann, der ihm auf diese Weise 200 Fl. schuldig geworden, Bankerott gemacht, sagte er lächelnd: „ich muß mich in meinen gewöhnlichen Ausgaben einschränken, um diesen Verlust zu ersetzen. Um solchen Preis, fügte er hinzu, erkauft man sich Festigkeit/' — Nach dem Tode seines Vaters suchten ihn seine Schwestern auf alle mögliche Weise von der Erbschaft auszuschließen. Spinoza vertheidigte fein Recht, aber nachdem sie durch die Justiz verurtheilt waren, überließ er ihnen Alles, und behielt sich nur ein gutes Bett.— Spinoza hatte eine sehr zarte Gesundheit; seit seiner frühesten Jugend übte er sich in der Kunst, die Störungen derselben mit Geduld zu ertragen. Das Gefühl seines Schmerzes schloß er in sich ein, und theilte es Niemanden mit. ,,Zu glauben, sagte er in dieser Beziehung, daß das Uebel weniger hart sei, wenn es uns mit mehreren anderen Personen gemeinschaftlich ist, das ist ein großes Zeichen von Unwissenheit, und wenig guten Sinn verräth es, gemeinsame Leiden unter die Trostmittel zu rechnen." 'Tief verwundete es ihn, als er seinen Gönner und Freund van Witt von den Händen des Pöbels zerrissen sah. Aber bald suchte er sich zu fassen. Als ihm ein Freund über seine baldige anscheinende Ruhe seine Verwunderung zu erkennen gab, erwiderte er: ,,Zu was würde die Weisheit dienen, wenn wir in die Leidenschaften des gemeinen Mannes verfallend, nicht die Kraft hätten, uns über uns selbst zu erheben?" — Er war ungemein nachsichtig gegen jede Parthei, aber er verlangte, daß man sich thätig seiner Vernunft bediene. „Das sind, sagte er öfter, die beiden größten und gewöhnlichsten Fehler der Menschen, die Trägheit und die Einbildung, die einen verbleiben in einer Liefen Un-