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Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums · 1861-01-01 · Heft 1 · page 228

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Journal
Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
Volume
1861
Issue
Heft 1
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 228)
Language
German
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210 die Stadt, den Haag (Brief 47., 50., 53., 54., 66., 68. 70.), wo er bis zu seinem Tode lebte. Er wohnte hier zuerst auf dem Veerkay bei der Wittwe van Beiden in demselben Zimmer, welches hernach sein redlicher Biograph, der Prediger Eoller, bewohnte. Da ihm aber die Wohnung und Pension hier zu theuer kamen, zog er auf den Pavilio-engragt hinter diesem Hause zu Heinrich van der Spyck. Wir wollen nun, ehe wir weiter gehn, unsere Leser mit einem einfachen Gemälde seines häuslichen Lebens unterhalten. Spinoza lebte ungemein mäßig und eingezogen, so daß er sich oft eine Woche lang nicht aus dem Zimmer entfernte. Seine mäßige Lebensweise wird aus kleinen Wirthschastsrechnungen ersichtlich, welche Eoller besaß, wie er z. B. einen Tag von einer Milchsuppe mit Butter zu 3 Sous und für 1V2 Sous Bier, einen andern von Grütze mit Rosinen und Butter zu 4V2 Sous lebte und des Monats 2 halbe Pinten Wein trank. Seine Kleidung war von gewöhnlichster Qualität, aber ausgezeichnet reinlich. Man erzählt in dieser Beziehung zwei Aussprüche von ihm, die sich zu widersprechen nur scheinen. Eoller erzählt, daß einst ein Staatsrath ihn in einem schlechten Schlafrock fand, wovon dieser Gelegenheit nahm, ihm freundschaftlich Vorwürfe zu machen, und einen andern anzubieten. Spinoza antwortete, daß ein Mensch durch ein schönes Kleid nichts mehr gelte. Er fügte hinzu: es ist gegen den guten Sinn, ein kostbares Gewand um eine Sache von keinem oder wenigem Werthe zu legen. Boullainvillers aber hat von einem Freunde Spinoza's den Ausspruch des Letzteren gehört: nicht dieses vernachlässigte und unsorgfältige Ansetzn macht uns zu Gelehrten — im Gegentheil, diese affektirte Nachlässigkeit ist das Zeichen einer niedern Seele, in der nicht die Weisheit wohnet, und die Wissenschaften nur Unreinheit und Berderbniß finden können. — Spinoza war von mittlerer Größe mit wohlproportionirten Gesichtszügen, einer etwas dunklen Haut, schwarzen und frisirten Haaren, langen

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