Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 229)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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211 Augenbraunen von derselben Farbe; im ganzen ein Gesicht, das seine Abkunft von Portugiesischen Juden verrieth. — Seine Unterhaltung war sanft, ruhig und zart. Niemals sah man ihn sehr traurig, niemals sehr lustig; übermannte ihn je ein leidenschaftliches Wort oder Gefühl, zog er sich alsbald auf sein Zimmer zurück. Er war übrigens zugänglich und gesprächig. War Jemand im Hause krank, oder sonst von etwas angegriffen, so besuchte und tröstete er ihn, mit Geduld die Leiden, welche Gottes Auserlegniß wären, zu ertragen. Die Kinder ermähnte er, recht häufig in die Kirche zu gehen, und den Eltern zu gehorchen. Wenn seine Wirthsleute zur Predigt gewesen, frug er sie oft nach dem, was sie gehört und behalten hätten. Darauf forderte er sie auf, die Predigten des Dr.Eordes, welchen er vorzüglich seiner geschickten Exegese halber hoch achtete, so selten als möglich zu versäumen. Er hatte selbst einigemale die Kirche besucht, um ihn zu hören. Einst frug ihn seine Wirthin: ob es seine Meinung sei , daß sie in ihrer Religion selig werden könnten? Spinoza antwortete : „Eure Religion ist gut, ihr dürft keine andere suchen, noch zweifeln, daß ihr in ihr nicht selig würdet, wenn ihr nur, euch der Frömmigkeit ergebend, zugleich ein ftiedliches und ruhiges Leben führt." — Den größten Theil des Tages verbrachte er in seinem Zimmer. Wenn er von seinen Studien ermüdet war, ging er zu seinen Wirthsleuten hinab, und sprach mit ihnen selbst von allerhand Kleinigkeiten. Bisweilen rauchte er auch, sich zu zerstreuen, eine Pfeife Taback, oder, wollte er sich noch weiter vergnügen, so suchte er Spinnen, die er sich gelegentlich bekämpfen ließ, oder Fliegen, die er in das Spinnengewebe warf; und betrachtete alsdann das Treffen mit solchem Vergnügen, daß er bisweilen in Lachen ausbrach. Auch stellte er dann und wann Beobachtungen kleiner Insekten unter dem Mikroskop an. — Ueberhaupt besaß er nicht geringe Kenntnisse auch in der realen Physik, wie sie aus einer Reihe won Briesen an Heinrich Oldenburg und aus dem Briefe 14*