Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Journal
- Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums
- Volume
- 1861
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 224)
- Language
- German
- Belongs to
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206 erlernte jetzt die lateinische Sprache, nachdem er die hebräische, italienische, spanische, portugiesische, deutsche und holländische kennen gelernt. Sein Lehrer war zuerst ein Deutscher, den er aber, da er ihn nicht ausreichend fund, verließ, und sich in dem Arzte van dem Ende einen tüchtigeren gewann. Dieser Mann hatte Anfangs einen großen Ruf und viel Vertrauen, aber als es bekannt wurde, daß er Grundsätze hege, die mit den herrschenden in der Religion nicht übereinkamen, entzog man ihm dasselbe, und als Atheist verschrieen, verließ er Holland und ging nach Frankreich. Hier ließ er sich mit dem Chevalier de Rohan und anderen , ein, um die Normandie zu Gunsten der Holländer aufzuregen» Die Sache wurde entdeckt und van dem Ende gehenkt. Von diesem also wurde Spinoza noch in der guten Zeit im Lateinischen unterrichtet. Da er hierbei oft Gelegenheit hatte, die geistreiche Tochter seines Lehrers, welche in der Abwesenheit des Vaters selbst unterrichtete, zu sehen und zu sprechen, verliebte er sich in sie, und hat später öfters den Entschluß bekannt, den er sie zu ehelichen gehabt habe. Aber ein Mitschüler, Namens Kerkering, aus Hamburg, war ihm vorzüglich mit Geschenken zuvorgekommen, trat aus dem Lutherthum zur katholischen Kirche über, und heirathete sie in der That. Nachdem Spinoza die lateinische Sprache sich. gründlich zueigen gemacht, trieb ihn der Hang, sein wirkliches Wissen Hu vermehren, zum Studium der Physik. Der Kenner jener Zeiten weiß, daß sich damals noch die physikalischen Wissenschaften viel weniger in dem wirklichen Kennenlernen der Geschöpfe, als vielmehr in metaphysischen Forschungen bewegten. Die Werke des Descartes fielen unsrem reifenden Spinoza in die Hände, und das Studium der Schriften dieses damals die Philosophische Welt beherrschenden Mannes griff tief in die Ideenwelt Spinoza's ein, so daß es eine in neueren Zeiten oft unternommene Untersuchung geworden, inwiefern die Cartesische Philosophie auf die des Spinoza gewirkt habe. Hier