Mannheim
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  1. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 197 · Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen

    197 dies interessanter und erhebender als alle die Pracht, womit das Christenthum hier prangt, welches in ganz Italien ein wahres Heidenthum ist. Es wird sich an mir das Sprichwort bewähren, „in Rom gewesen, und den Papst nicht gesehen". Es…

  2. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 198 · Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen

    198 Du die Journalfabrik hättest kennen lernen, wie ich, so würde Dir auch wenig daran liegen. — Mein Aufenthalt in Rom war nur kurz, aber reich an Eindrücken mancher Art. Ich verlasse diese Stadt morgen Abend, um Sonntag, den 29., mit dem …

  3. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 199 · Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen

    199 verdüstern. — Du, geliebte Schwester, hast wenigstens den Trost, unserer geliebten Mutter durch Deine Gegenwart und die Deiner Kinder manche heitere Stunde bereitet zu haben; ihr Alter fand oft in Euch eine Stütze und Pflege; ich aber, …

  4. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 200 · Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen

    200 später vielleicht noch hundert Thater mehr. Hingegen aber bin ich mit der Bibliothek fortwährend im Kriege, indem meine Vorgesetzten ihren Versprechungen nicht Nachkommen, und ich, nachdem ich wichtige Dienste geleistet habe, noch immer…

  5. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 201 · Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen

    201 stunden, die ich zu den nöthigsten Arbeiten benutze, sowie zur Korrespondenz, die ich so viel als möglich einschränken muß. . . . Ich muß Geduld haben und auf die Güte der Vorsehung hoffen. .... 40. An den Neffen Dr. S. Meyer. Paris, de…

  6. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 202 · Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen

    202 42. An die Schwester. Paris, den 4. Dezember 1858 (Abends). Theuerste Schwester! Ich habe gestern Abend gegen 5 Uhr meine Ernennung zum Mitgliede der Akademie, welche eben erfolgt war, sogleich durch den Telegraphen nach Breslau bericht…

  7. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 203 · Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen

    …nst gemeint, und wie würdig gehalten sie auch sein mögen. Dir wird jener Vortrag gewiß sehr gefallen, er ist betitelt: „Salomon Munk, Professor am College de France, Vortrag von Dr. Adolf Jellinek. Wien, Verlag von Herzfeld & Bauer." — Ich habe nur ein…

  8. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. 204 · Maskir

    m Novelle von; Utfräitimv. „Wie theier is Ihre Gerste?" „Am Jontef hob' ich ka Geschäft." „Gott wie nobel." „Psst — Psft —" der Tempeldiener suchte das Gespräch zu dämpfen. Der Frager, ein rothhaariger, junger Mann mit Hellem Schnurrbart im…

  9. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 205 · Maskir

    205 diener zugewinkt. Dieser nahm hierauf eine mit Weißen Blättern besteckte Tafel herab, die er hoch in der Hand gehalten hatte. Ein Theil der Blätter war mit hebräischen Worten beschrieben, ein anderer mit Ziffern. Es war ein stilles Biet…

  10. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 206 · Maskir

    206 Die .Nachbarin nickte. Im nächsten Augenblick hatte sie ihrer Freundin zur Linken zugewispert: „Zwischen dem rochen Singer und Rothhausers geht was vor!" „Roth-Singer kriegt Färb' zu," lächelte die Andere schlau. „Ja," kam es zurück, „i…

  11. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 207 · Maskir

    207 Jacob Singer hatte bemerkt, welches Aufsehen seine Berufung zur Thora erregte. Es summte in der Synagoge wie in einem Bienenstock, er jedoch heuchelte Gleichgültigkeit und ging sicheren Schrittes hinauf zum Almemor*), wo er leise den er…

  12. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 208 · Maskir

    208 lag über die Thora gebeugt und hielt ein Tuch vor dem Gesichte. Von der Frauengallerie herunter klangen im wirren Chor gebrochene Worte, die hebräischen Formeln des Maskir, der Todtenfeier. Ein jeder gedachte seiner todten Lieben mit Na…

  13. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 209 · Maskir

    …astig werden des Paradieses! Amen!" „Vorerst kommt Oesterreich daran. Hörst Du die Liste? In mehr als dreißig Orten, in Villach und Budweis, in Znaim und Trebitsch, in Krems und Salzburg, überall wurden sie hingeschlachtet, weil sie Hostien geschä…

  14. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 210 · Maskir

    210 als ihren Stolz, genau so wie den Johann Maria Farina. Der Geruch des gesengten Fleisches ist längst in Eau de Cologne ertränkt."- „Die alte Frau Rahel, welche ertränkt wurde; Frau Ogia, welche ertränkt wurde; der Bräutigam R. Samuel, d…

  15. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 211 · Maskir

    211 geschlachtet hatte; das junge Mädchen Matrona und ihre Schwester Rahel, die sich ins Feuer stürzten; der Knabe Josef; Hanna, die Heldin in Blois, mit dem Kinde, das sie im Feuer geboren-" „Hörst Du, Eduard, im Feuer geboren-! Was sagen …

  16. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 212 · Maskir

    212 ausgenommen habe. Darauf wurden beide zum Feuertode verurtheilt. Der ältere aber vorerst an den Schweif eines Rosses gebunden, mit den Füßen nach oben, mit dem Kopf nach unten, und so von dem gehetzten Thiere durch die Stadt geschleift,…

  17. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 213 · Maskir

    213 Höhe, zur Frauengallerie, dorthin, wo Martha Ehrenstein stand. Sie nickte stagend. „Bleiben Sie?" hieß das Nicken. „Ja." „Oh!" Sie verzog schmollend ihre vollen Lippen. „Aber Eduard geht doch" deutete ein anderer Blick. Er zuckte die Ac…

  18. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 214 · Maskir

    214 Er blickte starr, mit großen Augen in eine unsichtbare Ferne. Die Worte des Kantors schlugen kaum an sein Ohr, und wie er sie hie und da hörte, zogen sie ihn wieder . fort in verwehte Zeiten, in die düstere Vergangenheit. „Warum mir die…

  19. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 215 · Maskir

    … Wort gestorben, aber selten hat (Nner für die Anderen gelebt. „Die Nachkommen des Rabbi Loria aus Galizien und die des Rabbi Löw aus Prag." Die alten Rabbiner, sie stritten miteinander über die Form, in der die Gotteslehre zu verbreiten sei. Die Pr…

  20. 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 216 · Maskir

    216 Schluchzen hörbar geworden, da war es auch schon von einem Winseln übertönt, von einem Klagelaut, der nichts Menschliches hatte. „Der große Gaon, Rabbi Salomon Jehuda, der Gerechte, unser Lehrer, das Haupt unserer heiligen Gemeinde-—“ B…