Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Maskir
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 11)
- Language
- German
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214 Er blickte starr, mit großen Augen in eine unsichtbare Ferne. Die Worte des Kantors schlugen kaum an sein Ohr, und wie er sie hie und da hörte, zogen sie ihn wieder . fort in verwehte Zeiten, in die düstere Vergangenheit. „Warum mir diese stnstere Gabe, überall das vergeblich vergossene Blut meiner Ahnen zu sehen? Warum mir die Furcht vor der Zukunft meines Stammes? Warum flüchte ich nicht an das liebenswürdige Herz Marthas? Warum suche ich nicht Vergessen im Leben, im Leben, wie es den Anderen gegönnt ist? Was will ich, was suche ich, was werde ich finden?" Einige .stärker betonte Namen lenkten seine wandernden Gedanken von sich ab, zurück zur Geschichte der Gemeinde. „Reb Perez aus Wien; Frau Bassel aus Neustadt . . . Das war 1655, als man alle Juden aus Wien und Umgebung verjagte. Ihre Synagoge wurde zur Kirche umgestaltet, aber ihre Häuser mußten ihnen bezahlt werden- Also doch ein Fortschritt gegen früher, würde Eduard sagen. „Rabbi Schalem Loria, Rabbi Jsak Landau aus Lemberg . Nun zählen wir 1664. Die Juden Galiziens waren in den Raubzügen der Kosaken zu Hunderttausenden hingeschlachtet. Die Ueberlebenden zahlten mit den Christen zusammen die Brandschatzungen und verhielten sich im Kriege so tapfer, daß die Bürgerschaft von Lemberg sich wiederholt weigerte, sie dem Kosakenhetman Chmelnitzky auszuliefern. Und doch wurden sie kaum zehn Jahre später in derselben Stadt, an der Stätte ihrer Tapferkeit, bei einer von den Jesuitenzöglingen vorbereiteten Hetze niedergemetzelt. Sie flüchteten in alle Welt, zum Theile auch hierher, und brachten das Studium der Talmudlehre, das ihnen in dieser Form aus Deutschland überkommen war, wo diese Wissenschaft im Mittelalter blühte. Und das corrupte Mittelhochdeutsch, ihr Jargon zog mit ihnen und chrem talmudischen Wissen durch Europa. „Hendel Spira aus Prag; Chaim Spira aus Prag; Rabbi Moses Löw aus Prag ......" Diese sind nicht von den Christen,- fordern von den Juden vertrieben worden. Sie hatten durch Generationen in Prag gelebt, allerdings ohne Rechtsütel, denn die Zahl der jüdischen Familien war gesetzlich beschränkt. Ein Concurrent