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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 213

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Maskir
Date
1899-01-01
Page
Seite 213 (sequence 10)
Language
German
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213 Höhe, zur Frauengallerie, dorthin, wo Martha Ehrenstein stand. Sie nickte stagend. „Bleiben Sie?" hieß das Nicken. „Ja." „Oh!" Sie verzog schmollend ihre vollen Lippen. „Aber Eduard geht doch" deutete ein anderer Blick. Er zuckte die Achseln. Sie war piquirt. „So, dann gehe ich mit Eduard," meinte ein stolzes Aufwerfen des Kopfes, und sie ging auch und mit ihr verließ auch Mama Ehrenstein die Gallerte. Ueber Roberts schmales Gesicht flog ein Schatten, dem ein leises, wehes Lächeln folgte. Dann schloß er die Augen. Nun war er allein, allein mit seinen Gedanken, mit seinen Todten. Ob er nicht stevelte, da er blieb? Ein blühendes Leben erhellt von Wissen und Können, schmiegt sich chm an. Martha Ehrenstein wollte sein Weib werden. Martha, dieses angebetete, vielbegehrte Mädchen. Nur noch das letzte Wort war zu sprechen. Er mochte es nicht gesagt haben, ehe sie nicht einmal sein Elternhaus gesehen, den Ort seiner Geburt und die Gemeinde, der er entstammte. Die stolze Redlichkeit und die stillwirkende Kraft seiner Mutter und die Anziehung, die seine alte Judengemeinde auf ihn übte, sollte sie begreifen lernen. Sie sollte nicht nur ihn kennen wie er geworden und sich entfaltet hatte, sondern auch die Wurzeln seines Wesens und dessen Erdreich. Nun war sie gegangen. Je nun — sie langweilte sich.-Ja, diese Langweile. — Er aber, er schloß die Augen und verfiel in tiefes Sinnen. Eine Sage aus der Zeit, da er zu denken begonnen, kam ihm zur Erinnerung. Die Großmutter hatte sie erzählt, da er frug, warum beim Maskir soviele Menschen den Tempel verlassen müssten. „Damit Platz werde, Raum für die Todten, die da in den Himmeln warten und zur Erde schweben um die Zeit der Todtenfeier. Sowie ihr Name genannt wird, kommen sie ins Gotteshaus aus die leeren Plätze." Und es ist ihm, als sollte er rücken, auf daß die Seelen der Geschiedenen nicht zu arg gedrängt sitzen. Seine Todten. Ja, seine, die er nie los wurde, die seinen Schritten folgten, sein Thun regierten, die er stets, stets sah.

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