Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 199

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
Date
1899-01-01
Page
Seite 199 (sequence 52)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3111067-3111070-3111591--0578-3111836
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

199 verdüstern. — Du, geliebte Schwester, hast wenigstens den Trost, unserer geliebten Mutter durch Deine Gegenwart und die Deiner Kinder manche heitere Stunde bereitet zu haben; ihr Alter fand oft in Euch eine Stütze und Pflege; ich aber, durch die Fügung der Vorsehung in ein fernes Land versetzt, konnte nichts für sie thun. Nur eine kleine Beruhigung fand ich in der geringen Gabe, die ich ihr dann und wann reichen konnte; aber alles hoffte ich, würde anders werden, und ich träumte mir ein Glück im Sinne unsrer Mutter, das ihre letzten Tage vollkommen erheitern würde. Oft beschlich mich zwar der Gedanke, es könnte zu spät seyn, und Thränen traten mir in die Augen; aber ich verscheuchte immer die trüben Gedanken und tröstete mich in dem Vertrauen auf die Vorsehung, welche die Tugenden unsrer Mutter durch ein glückliches Ende belohnen würde. Ja, ihren Lohn wird sie sicher finden in einem besseren Leben; mir aber ist der Trost versagt worden, noch hinieden der Schöpfer ihres Glückes zu seyn; die Gottheit hat mich einer so großen Gnade nicht würdig geachtet. — Und nun, theure Schwester, willst Du mir einige Linderung gewähren, so erzähle mir von der letzten Lebenszeit unsrer seligen Mutter, wie sie gelebt und wie sie geendet; ich werde die kleinsten Umstände mit der tiefsten Rührung lesen, und Rührung allein ist es, was meiner jetzigen Stimmung gemäß ist; alle Trostreden können in meinem Herzen noch keinen Anklang finden. — Ich vergesse, liebe Schwester, daß auch Du der Tröstung sehr bedarfst, aber alles, was ich jetzt in dieser Beziehung zu thun vermag, ist schweigen, und meinem vollen Herzen Einhalt zu thun, um Dich nicht noch mehr zu erweichen. Gott sende uns beiden seinen himmlischen Trost. . . . Meine gute Frau hat mir in diesen Tagen die rührendsten Beweise ihrer Anhänglichkeit gegeben. Die Trauerbotschaft griff ihre zarte Natur im ersten Moment fast noch mehr an, als mich selber; sie hatte unsre gute Mutter, ohne sie zu kennen, lieben und verehren gelernt. Sie kann ihren Finger noch nicht mit Leichtigkeit bewegen, will sich aber doch bemühen, hier ein Wort beizufügen. . . . 37. An die Schwester. Paris, den 8. September 1844. Theuerste Schwester! . . . Vom ersten Oktober an werde ich bei dem Central-Consistorium das Amt eines Sekretairs bekleiden. Dieser Posten nöthigt mich zwar manches Andere aufzugeben, doch sind die sicheren Einkünfte immer den ungewissen vorzuziehen, selbst wenn diese etwas reichlicher ausfallen sollten. Das anzutretende Amt bringt mir jährlich 1500 Franken oder 400 Thaler ein, und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.