Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 2 (1899)
- Article
- Maskir
- Date
- 1899-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 3)
- Language
- German
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206 Die .Nachbarin nickte. Im nächsten Augenblick hatte sie ihrer Freundin zur Linken zugewispert: „Zwischen dem rochen Singer und Rothhausers geht was vor!" „Roth-Singer kriegt Färb' zu," lächelte die Andere schlau. „Ja," kam es zurück, „ich Hab' gesehen, wie Fanny ihn angelacht hat!" Bald sprach die ganze Galerie von Fanny Rothhausers Mitgift und von Singers Geschäften. Nur an zwei Damen ging das Ereigniß des Tages unbemerkt vorüber, an Frau Doctor Schönfeld und Frau Gutspächter Tischler. Die Damen hatten die Kleider chrer andächtigen Schwestern kritisirt. „Was sagen Sie zu den Volants der Frau Gelbhaus?". „Lächerlich, viel zu schmal! Und der neue Rock der Frau Maier, ganz veraltet, in Glockenform geschnitten! Unsinn! und die Farbenzusammenstellung!" „Sehen Sie die Ehrenstein aus Wien?" „Na — der Hut imponirt mir gar nicht. Sie denkt gewiß, für hier ist er gut genug. Und der Bräutigam ist rhr sicher!" „Aber sie sind ja noch gar nicht verlobt." „Nein — aber hier bei seiner Mutter soll die Geschichte fest werden." „Und wer ist der junge Mann neben Robert Seeliger?" „Ein Cousin von ihr, ein Professor, der sie und ihre Mama begleitet." „Ein schönes Paar, Robert und die Ehrenstein." „Ja, und beide so gebildet. Ich bitte Sie, er hat nicht nur eine große Praxis als Arzt, jetzt kommt er gar an die Universität als Docent, und er schreibt Werke, die Ausiehen machen." „Aber sie ist sehr reich." „Ja, reich, schön, gebildet, jung, gesund — er macht sein Glück. Ueberhaupt diese Seeligers, die haben viel Glück; sie, die Mutter, ist doch dabei eine sehr simple Person und kommt in eine so feine Familie. Die Ehrenstein's gehören zu den ältesten Wiener Häusern, alles solid, gediegen. Sehen Sie die feine alte Dame, das ist ihre Mama. Die im Schwarzseidenen mit weißen Spitzen."