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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1899-01-01 · 2 (1899) · p. Seite 203

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
2 (1899)
Article
Aus Salomon Munk's nachgelassenen Briefen
Date
1899-01-01
Page
Seite 203 (sequence 56)
Language
German
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203 44. An die Schwester. Paris, den 24. Februar 1865. Theuerste Schwester! Dein Schreiben vom 3. Februar, durch welches Du meine Zeilen vom 1. so pünktlich beantwortest hast, läßt mich wissen, welchen lebhaften Antheil Du an meinen neuen Verhältnissen nimmst, und mit welcher Spannung Du meine erste Vorlesung erwartest hattest. Seit der Zeit hat Dir auch Samuel mitgetheilt, was ihm Dr. Schweizers), welcher zugegen war, darüber berichtet hat, und auch ich kann es jetzt nach Allem, was ich gehört habe, bestätigen, daß der Erfolg ein sehr guter war. Die ganze Vorlesung ist vor einigen Tagen in einer Revue erschienen, und Dr. Schweizer sagt mir, er habe das Heft nach Breslau geschickt; ich habe es darum nicht gethan, weil ich in einigen Tagen den besonderen Abdruck erwarte, von welchem ich einige Exemplare nach Berlin und Breslau einschicken werde. Ich habe nunmehr, außer der ersten, noch sechs Vorlesungen gehalten und obgleich ich nach und nach ganz speciell geworden bin, so waren dieselben doch stark besucht. Es waren manchmal 80—90 Zuhörer und Zuhörerinnen zugegen, was ich freilich der Neugierde zuschreiben muß, welche der Nachfolger des großen Mannes erregt; denn ich kann mir nicht schmeicheln, für das Studium der orientalischen Sprachen ein so großes Publikum zu gewinnen, und, wenn es hoch geht, so kann ich nach einiger Zeit, wenn die Neugierde befriedigt ist, auf 10—15 ernste Zuhörer rechnen. — In Deutschland hat, wie ich sehe, meine Ernennung besonders unter den Juden große Sensation erregt. Vor einigen Tagen schickte mir Dr. Jellinek, Prediger in Wien, einen Vortrag zu, den er am 21. Januar über mich gehalten hat, und der im Druck erschienen ist. Ich habe dem Dr. Jellinek natürlich meinen warmen Dank abgestattet; aber ich muß gestehen, daß ich eine gewisse Scheu vor der Oeffentlichkeit habe, welche mir dergleichen persönliche Schilderungen von mir fast unangenehm macht, wie ernst gemeint, und wie würdig gehalten sie auch sein mögen. Dir wird jener Vortrag gewiß sehr gefallen, er ist betitelt: „Salomon Munk, Professor am College de France, Vortrag von Dr. Adolf Jellinek. Wien, Verlag von Herzfeld & Bauer." — Ich habe nur ein Exemplar erhalten. Louis wird aber die Broschüre sich in Berlin leicht verschaffen können. i) Es ist der in Wiesbaden verstorbene Dr. Heinrich Schw. gemeint, der sich als Moliere-Forscher einen Namen gemacht hat.

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