Mannheim
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  1. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 206 · Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert

    206 wurde nicht leer von Armen, von Freunden, die er speiste und beherbergte. Er hatte eine Frau gefunden, ein armes Mädchen, das er nicht ohne Mühe erwarb, mit der er eine Musterehe führte. Seinen Kindern war er auch ein geistiger Vater; z…

  2. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 207 · Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert

    207 ■einem Badeort getroffen, sich in ihre Schönheit verliebt, und sie, da sie den häßlichen, mißgestalteten Mann nicht gebührend gewürdigt, dadurch gewonnen, daß er ihr ein Märchen erzählte, wie der Buckel eigentlich für sie bestimmt gewes…

  3. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 208 · Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert

    208 wollte und davor habe ich in meinen Gedanken schon Anstalten gemacht. Die mich bei meinem Leben glücklich macht, soll nach meinem Tode nicht ganz elend sein. Allein welches Recht hat ihr Vater, hierin Gesetze vorzuschreiben? Die Summe d…

  4. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 209 · Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert

    209 Die Briefe Mendelssohns sind die Briefe eines ernsten Mannes an ein junges Mädchen, dem er ohne Leidenschaft entgegentritt. Er hat das Bewußtsein, ernste Pflichten auf sich zu nehmen, und will die von ihm Gewählte in diese Pflichten ein…

  5. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 210 · Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert

    — 210 In Briefen eines Bräutigams an seine Braut erwartet man nun schwärmerische Ausrufe und Liebesdeklamationen. Aber so wenig man solche in den nicht viel späteren Briefen Lessing's an seine Braut findet, so wenig begegnet man deren in un…

  6. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 211 · Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert

    211 dient ein so halbgenossenes Vergnügen, daß wir daran gedenken?" Gewiß es ist ein sehr schüchterner Liebhaber, der also spricht, aber es ist eine innerliche Natur, die die Freuden und den Segen eines köstlichen Lebens voraus ahnt. Eine s…

  7. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 212 · Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert

    212 sind nur wenige Zettel erhalten. Das interessanteste Schriftstück, an dem auch sie mitgeschrieben hat, ist ein Collectivbrief der Verwandten und Freunde, die in M/s Hause wohnten und verkehrten. Die Namen der Correspondenten sind freili…

  8. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 213 · Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert

    …Seine Mitglieder kamen sich vor wie ein großes Heer, das seinen Führer verloren hatte und auseinander zu fallen drohte. Marcus Herz, der als Arzt Mendelssohn's letzte Lebensstunden beobachtet hatte, gab die Stimmung Aller durch seine Worte wieder: „Ic…

  9. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 214 · Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert

    — 214 — Schranken, welche Standes- und Glaubensunterschiede sonst ziehen, schienen verschwunden; reine Menschenverbrüderung war eingetreten. Schon längst hatte man an dem Hausherrn eine Unruhe bemerkt; nach einiger Zeit war er verschwunden.…

  10. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 215 · Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert

    215 Schweigen, das auch den Anderen Ruhe zu gebieten schien, begann er mit leiser Stimme: „Wohlan, wir wollen lobsingen Gott und jauchzen dem Fels unseres Heils". Und immer kräftiger wurde sein Gebet, immer lauter sein Jubel; er schien die …

  11. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 216 · Drei Gedichte

    Drei Gedichte aus dem Nachlasse von Leopold Kompert. I. Das jüdische Oerx. J&Juzä) tausende von Jahren tönet Von Mund zu Mund ein kleines Wort — Verkannt, geschmähet und v…

  12. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 217 · Drei Gedichte

    217 Wer lehrt Dich überall entfalten Dein Banner ohne Scheu und Hehl? Das Wort, voll heiliger Gewalten, Das mächtige: „Schmäh Jisroel", Wer lehrt es Deine Kinder lallen Das Wort, das mächtiger als Erz? Das beste, lieblichste von Allen — Der…

  13. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 218 · Drei Gedichte

    n. Prolog zur Eröffnung der Liedertafel „Zion" am 25. Januar 1860. ^H-uch wir, wir sangen einst und hatten Lieder, Rings hallten Thal und Berg und Fluren wieder Von uns'res Volks melodischreicher Lust! Was Menschenweh und Freude im Gemüthe …

  14. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 219 · Drei Gedichte

    219 Wohl hätten Antwort wir auf Deine Frage! Doch nimmer aus dem Grab vergangner Tage Ruf' ich die schaurige herbei! Nur Eines künd' ich Dir: Wer so entblättert. Gebrochen und zerstückt ward und zerschmettert. Bleibt ihm ein andres — als de…

  15. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 220 · Drei Gedichte

    220 Zu Boden fällt der Spott und die Verhöhnung, Entgegen tritt tiefinnerste Versöhnung Und sagt den Lippen: Seid nicht länger stumm! Erschließet euch und stimmet an die Lieder Mit freier Seele, Hellem Klang, Steig' himmelwärts, der Lerche …

  16. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 221 · Drei Gedichte

    III. Gottes Marserrkirrd. Zur Eröffnung eines jüdischen Waisenhauses. ^^?ie friedlich liegt in stiller Ruh' das Haus! Geschützt , bewahrt vor Sturm und Wetterbraus! Der Vater schafft, die treue Mutter waltet. Und selbst die Armuth, seht, wi…

  17. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 222 · Drei Gedichte

    222 Und stille wird's! Der einst so furchtbar klang. Entsetzlich klagend durch ^ie Wolken drang. Den Einlaß sprengend an des Himmels Thoren . . . Der Schrei des Kindes hat sich längst verloren. Ward stummes, heißes Dankgebet! Du sturmgebeug…

  18. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 223 · Dichterblut

    Dichterb Irrt. Von B. Plaezek. I. „Ergreif den Mjölnir, starker Thor, Wohlauf zu kühnem Streite! Und fleuch' hinab nnd zeuch' empor; Es gilt gar hehre Beute. Reifriesenkönig Suttung haust Im rauhen Felsverließe Von Eis umstarrt, vom Wind um…

  19. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 224 · Dichterblut

    224 Draus schöpfen sie Verschlagenheit Und rasche Rathbereitschaft, Der Tücken Mannigfaltigkeit, Die noch den Äsen Leid schafft. In meinem Ohre widerhallt Schon Ragnarökurs Schrecken; Ich seh' die grausen Arme bald Sich auf nach Asgard reck…

  20. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 225 · Dichterblut

    225 Die Beute führet Thor davon Auf zur krystall'nen Veste. Ihn grüßen schon mit Jubelton Walhallas lichte Gäste. Da läßt er aus dem Horn im Lauf Zur Erde Tropfen fallen — Den Himmelsthau, ihn fangen auf Die Dichter rasch vor Allen. . . II.…