Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 211 (sequence 22)
- Language
- German
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211 dient ein so halbgenossenes Vergnügen, daß wir daran gedenken?" Gewiß es ist ein sehr schüchterner Liebhaber, der also spricht, aber es ist eine innerliche Natur, die die Freuden und den Segen eines köstlichen Lebens voraus ahnt. Eine solche recht gemüthvolle Stimmung findet sich auch in einem kleinen Purimbrief, der am 12. März 1762 von Berlin nach Hamburg ging. Er lautet: „Liebe Frommet! Alle Menschen beschenken sich heute, und ich habe Ihnen nichts zu schenken, aber ein Histörchen will ich Ihnen erzählen: „Einst kam zu Sokrates dem Weisen ein Schüler und sprach: mein lieber Sokrates, wer mit Dir umgeht, bringt Dir was zum Geschenk, ich habe Dir nichts zu schenken als mich selbst, sei so gut und verschmähe mich nicht. Wie, sprach der weise Mann, achtest Du Dich so gering, daß Du mich bittest Dich anzunehmen. Nun gut! Ich will Dir einen Rath geben, bemühe Dich gut zu werden, daß Deine Person das angenehmste Geschenk werden mag. Meine Geschichte ist aus. Auch ich, meine liebe Frommet, will mich bemühen, so gut zu werden, daß Sie sagen sollen, ich könnte Ihnen nichts anderes schenken als Ihren aufrichtigen Moses," Die Ehe wurde geschlossen, es wurde ein Haus begründet, das Allen zum Vorbild dienen konnte, und in deni zu verkehren für die Zeitgenossen, Juden und Christen, ein Stolz und eine Freude war. Auch eine Anzahl Briefe M's an seine Frau von den Reisen, die er theils zur Erholung, theils zu Geschästszwecken unternahm, ist erhalten. Briefe eines Gatten pflegen weit weniger als die eines Bräutigams Liebesbriefe zu sein. Wenn schon die Briefe M.'s als Bräutigam fast ohne zärtliche Anwandlungen sind, so sind die des Gatten einfache Berichte des Entfernten über das Erlebte, Fragen nach den Kindern, nach den täglichen Erlebnissen, nach Freunden und Bekannten. Von Königsberg aus weiß M. allerdings zu berichten, daß er Kant gesehen und gesprochen, von Pyrmont, daß er mit einem Fürsten zusammen gewesen sei, von Braunschweig, daß er Lessing gesehen habe. Der Sabbat zwang ihn sich länger dort aufzuhalten, als er ursprünglich beabsichtigt hatte, aber er giebt über die geführten Gespräche nichts an. Von der Frau