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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 206

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
Date
1898-01-01
Page
206 (sequence 17)
Language
German
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206 wurde nicht leer von Armen, von Freunden, die er speiste und beherbergte. Er hatte eine Frau gefunden, ein armes Mädchen, das er nicht ohne Mühe erwarb, mit der er eine Musterehe führte. Seinen Kindern war er auch ein geistiger Vater; zunächst für sie schrieb er seine bedeutendsten Werke. Aber auch ihretwegen hielt er sich frei von seder Dienstbarkeit und lehnte glänzende Anerbietungen ab, sobald er sie nicht für verträglich mit seiner Ehre hielt. Niemals beugte er sich unwürdig vor den Vornehmen. Zn seinem praktischen Streben vermochte er ihrer nicht zn entrathen; trotz aller Hindernisse, die ihm von jenen gemacht wurden, blieb er seinen einmal gefaßten Vorsätzen treu, wann und wo es nur immer möglich war, mit Wort und That, helfend und rathend für seine Glaubensgenossen einzutreten. Mit dieser Consequenz vertrug sich recht gut seine so rührende Bescheidenheit, daß man aus seinen mündlichen und schriftlichen Aeußerungen nie den gefeierten Schriftsteller vermuthete. Und doch war er Vielen Rathgeber und Manchem Beichtvater. Jeder Fremde von Bedeutung suchte ihn auf; Viele, die zuerst aus Neugierde gekommen waren, erschienen wieder in Herzensnot; „nie ist vielleicht einer ungebessert von ihm gegangen," sagte K. Ph. Moritz, einer von denen, die selbst die Kraft seines milden Zuspruchs erfahren hatten. Er blieb milde und weise trotz aller Kränkungen. Er, der für die Befreiung seiner Glaubensbrüder so vieles that, lebte als ein gewöhnlicher Schutzjude wie seine Genossen und seufzte darob nicht. Er ward in die Akademie gewählt, aber nicht bestätigt und fand doch auch darüber kein bitteres Wort. Von Lavater gereizt, von anderen heftig befehdet, blieb er maßvoll in seinen Antworten; nur als man seinem lieben Lessing an die Ehre ging, brauste er auf. Die größte Kränkung, die ihm widerfuhr, brauchte er glücklicherweise nicht mitanzusehen. Man wollte ihm und einigen Mitstrebenden eine Bildsäule errichten, aber die Sammlungen hatten keinen rechten Erfolg; als man später der ganzen friedericianischen Epoche ein Denkmal widmete, ließ man den Juden fort. Mendelssohn begründete die jüdische Gesellschaft Berlins. Im Jahre 1763 führte er seine Frau heim und lebte Jahrzehnte mit ihr in schönem Frieden und reinem Glück. Berthold Auerbach hat eine sehrniedliche Geschichte erzählt, wieMendelssohn seine Frau fand. Er habe sie, so berichtet Auerbach, in

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