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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 212

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
Date
1898-01-01
Page
212 (sequence 23)
Language
German
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212 sind nur wenige Zettel erhalten. Das interessanteste Schriftstück, an dem auch sie mitgeschrieben hat, ist ein Collectivbrief der Verwandten und Freunde, die in M/s Hause wohnten und verkehrten. Die Namen der Correspondenten sind freilich kaum zu entziffern. Ich gebe den Anfang und Schluß, der von der Frau herrührt, und ein von einem Hausfteunde herrührendes Mittelstück, das die Verehrung bekundet, die M. bei seinen Nächsten genoß. Der Brief beginnt: „Lieber Mansche, der Anfänger ist Geld Werth. Du wirst Dich gewiß freuen, mit dem heutigen Brief, denn die meisten Deiner besten Freunde werden Dir heute schreiben. Dein Brief von Braunschweig hat mich recht amüsiert, aber Deine mündliche Unterredung wird mir noch angenehmer sein. Ich fange schon an die Stunden zu zählen,' bis Mittwoch bin ich immer ein weni unruhig und fürchte, daß Dir der Prinz nicht erlauben wird abzureisen. Noch bin ich dem Prinzen sehr gut über die Elogen, die Du mein lieber Mansche mir von ihm machst, aber er muß dich keine Stunde länger aufhalten. Nun will ich Deinen Freunden Platz machen." Als zweite schreibt Frau Röschen, vielleicht Frau Bernhard, die mittheilt, daß man gewaschen habe und dazu gutes Wetter gehabt, das sei, wie sie fortfährt, „schon eine kleine Zerstreuung". „aber nun fängt man an ungeduldig zu werden, diesen Abend schon zwei halbgebrochene Seufzer, bis künftige Woche werden wir das möglichste thun, sie zu amüsiren". Auch die Schwester Blümchen, der Mendelssohn in seinen Bräutigamsbriesen sehr häufig eine liebenswürdige Galanterie oder ein Scherzwort sagt, Hot an diesem Sammelbrief mitgeschrieben, aber ohne rechten Humor. Unter den Freunden mag Mordche Segall das Wort führen. „Ich dem Sie es nicht gesagt, den Sie es nur empfinden lassen, daß ich unter Ihre Ungenannten gehöre, glaube der Danksagung für Ihr werthes Andenken überhoben zu sein, indem ich eine jede Danksagung an einen Mann wie Sie für eine Beleidigung halte. Glücklich, wenn mich dereinst Gegenhandlungen gleichfalls dieser Mühe überheben möchten, Ihnen mit Worten zu sagen, wie groß der Antheil ist, den ich an Ihrem Vergnügen nehme und wie sehnsuchtsvoll ich nach Ihrem freundlichen Brief und lehrreichen Unterredungen verlange."

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