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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 213

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
Date
1898-01-01
Page
213 (sequence 24)
Language
German
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213 Und die Frau schließt den Brief mit den Worten: „Der Herr Doktor aus Halberstadt läßt Dir seine Empfehlung machen und bedauert es sehr, daß er Dich nicht zu Hause sprechen kann. Und ich noch mehr, mein liebes Kind, denn ich habe heute eine zweistündige Visite von ihm gehabt. Der Mann ist sehr aut, nur ein wenig zu langweilig. An alle Menschen habe ich Deine Grüße bestellt, nur an meinen Bruder nicht. Ich habe ihn noch mit keinem Auge gesehen. Meine Schwester Blümchen hat ihn gefragt, warum er Schabbes nicht da war, er sagte aber, daß er mit einer Frau nicht sprechen kann, wie gefällt Dir das, Reb Mauscheleben?" Schon aus diesen wenigen Zeugnissen geht hervor: es war ein glückliches, harmonisches, echt jüdisches Familienleben, das in diesem Hause geführt wurde. Nicht große Leidenschaften durchwühlten es, die einer verzehrenden Flamme gleich wohl einen Moment erhellen, aber schließlich verr hten und zerstören, sondern ein ruhiges, mildes, heiliges Feuers friedlich strahlend und sicher erwärmend. Nur durch Mendelssohns Tod wurde das Glück vernichtet, das Haus verödet. Mendelssohn starb und der ganze Kreis seiner Schüler und Freunde war tief erschüttert. Seine Mitglieder kamen sich vor wie ein großes Heer, das seinen Führer verloren hatte und auseinander zu fallen drohte. Marcus Herz, der als Arzt Mendelssohn's letzte Lebensstunden beobachtet hatte, gab die Stimmung Aller durch seine Worte wieder: „Ich erfaßte gleich im ersten Augenblick des Schreckens seinen Kopf und blieb so, Gott weiß wie lange, versteinert stehen. Da neben ihn hinzusinken und mit ihm zu entschlafen, das war der heißeste Wunsch, den ich je gehabt und haben werde." Aber es wäre Unrecht, mit dieser Betrachtung zu schließen. Denn das Gefühl, das ein bedeutender und guter Mensch den Seinen hinterläßt, ist, außer der grenzenlosen Vereinsamung, das Bewußtsein der Pflicht, die Aufforderung, chm ähnlich zu werden und in seinem Geiste zu wirken. So bleiben wir nicht an der Bahre Mendelssohn's stehen, sondern treten lieber nochmals ein in sein Haus. Es ist Sabbath Nachmittag. Eine große Gesellschaft hat sich versammelt; Christen und Juden,Vornehme und Geringe, Männer und Frauen. Die Gesellschaft hat sich lebhaft unterhalten über die höchsten Fragen des Wissens, des Glaubens, der Kunst. Alle

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