Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die jüdische Gesellschaft Berlins im 18. Jahrhundert
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 210 (sequence 21)
- Language
- German
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— 210 In Briefen eines Bräutigams an seine Braut erwartet man nun schwärmerische Ausrufe und Liebesdeklamationen. Aber so wenig man solche in den nicht viel späteren Briefen Lessing's an seine Braut findet, so wenig begegnet man deren in unseren Briefen. Nur zwei Stellen, in denen ein gewisser resignirter Humor nicht zu verkennen ist, sind etwa als Liebesbriefe zu erklären und anzuführen. Die erste lautet: „Apropos! Reb Salmen Emmerich verlangt eine schriftliche Vollmacht von mir. Ich kann nicht umhin sein Gesuch stattfinden zu lassen. Ich ertheile chm also die Freiheit sich alles das zu unterstehen, was ich mich bei meinem Dasein unterstanden habe. Dieses besteht in folgendem: des morgens habeich meiner Braut mit niedergeschlagenen Jünglingsaugen gewünscht wohl geruht zu haben. Des Tages" haben wir einige Stunden moralisirt, da habe ich ihr schon dreister unter die Augen gesehen. Dann und wann habe ich sie wider die Attacke muthwilliger Leute defendirt. Des Abends habe ich mit ihr an einem Tische gespeist und endlich ihr nach einem vielstündigen Gespräche eine angenehme Ruhe gewünscht. Reb Salmen beliebe also gütigst meine Stelle zu vertreten." Auch eine andere Stelle verdient eine Anführung, in der gleichfalls der nach unseren Begriffen sehr schüchterne Liebhaber zu Worte kommt. „Was das Gartenhäuschen betrifft, so vergessen Sie es auf ewig. Ich kann Ihnen nicht beschreiben, wie unruhig mein Herz damals gewesen. Die Küsse selbst, die ich von Ihren Lippen gestohlen, waren mit einiger Bitterkeit vermischt, denn die nahe Trennung machte mich schwermüthig und unfähig ein reines Vergnügen zu genießen. Ich ärgere mich überdies über meine Dummheit, daß ich Sie ganze 4 Wochen habe lieben können, ohne mich mit Ihnen tet« k tete zu unterhalten. Was für angenehme Stunden habe ich nicht verscherzt, ganz ungebraucht verschwinden lassen. Jetzt dachte ich, da alle Augenblicke der Postillon Dich abrufen soll, ergreifft Du die erste Gelegenheit deiner Geliebten Dich zu erkennen zu geben. Das schien mir überaus thöricht. Kurz unter diesen angenehmen Reflexionen ist endlich auch die letzte Stunde verschwunden, die ich in Hamburg zugebracht, und ich seh' mich auf den Postwagen neben Reb Jtzig Eisenschütz. Der-