Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Drei Gedichte
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 220 (sequence 5)
- Language
- German
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220 Zu Boden fällt der Spott und die Verhöhnung, Entgegen tritt tiefinnerste Versöhnung Und sagt den Lippen: Seid nicht länger stumm! Erschließet euch und stimmet an die Lieder Mit freier Seele, Hellem Klang, Steig' himmelwärts, der Lerche gleich der Sang — Sind wir nicht eines Vaters? Alle Brüder? Mit Sang und Klang, so gehen wir entgegen Des jungen Tages frühlingswarmem Segen, Nun da geborsten ist das Eis: Am Liederquellj da wollen wir erlaben Die Seelen, die so lang geschmachtet haben, Zur Freude uns und Gott zum Preis! Wir singen. . und die alten, bösen Meister Hohn und Verleumdung, flieh'n davon; — Vor eines Menschenliedes frohem Ton Versinken in ihr Nichts die nächt'gen Geister. Wir singen . . . Weil die Zeit naht, wo die Bürde Die lang getragne, fällt und Bürgerwürde Wie Thau vom Himmel auf uns niederträuft. Wir singen, weil dereinst auf eigener Scholle, Die wir mit eig'ner Hand bestellt, die volle Und goldne Saat entgegenreift. Der erste Gruß, den wir entgegenbringen Nach langer, schwerdurchträumter Nacht, Er gilt des jungen Tages Pracht. Ihm unfern Gruß! Ihm unser Singen!