Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Drei Gedichte
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 218 (sequence 3)
- Language
- German
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n. Prolog zur Eröffnung der Liedertafel „Zion" am 25. Januar 1860. ^H-uch wir, wir sangen einst und hatten Lieder, Rings hallten Thal und Berg und Fluren wieder Von uns'res Volks melodischreicher Lust! Was Menschenweh und Freude im Gemüthe In Tönen sucht, das drang als Liedesblüthe Hervor aus seiner Brust! Doch als sie zu den Wassern niederstiegen. Zu deinen Trauerweiden, Babylon! Da starb der Sang, verstummte jeder Ton, Sie hingen da die Harfen auf — und schwiegen. Und schwiegen fort und fort! Mich faßt ein Schauern, O Gott! wie kann ein Volk es überdauern Das durch Jahrtausende nicht — singt. Und durch die Welt mit stummen Lippen wandern Und horchen kann dem fremden Sang von Andern, Doch seinen eigenen niederzwingt! Singt nicht das Vöglein in der Bäume Zweigen, Laut kündend seines Daseins Wonne an? — Wie kam's, daß sich zum allerschwersten Bann Ein Volk verdammt — zu ew'gem Schweigen?