Mannheim
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19261929
  1. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 413

    Meine Bereitschaft, die ich schon in der Jugend als Gefühl des immerwährenden Bedrohtseins kannte, hat nun mit diesen Erlebnissen eine entscheidende Wandlung erfahren. In ihr liegt die Wandlung, nicht etwa in der Krankheit. Meine Krankheit …

  2. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 414

    nur dasselbe, daß ich da bin, ganz allein bin, ausgeschlossen von aller Welt. Wo aber — zum Kuckuck! — liegt denn die Wandlung, die Entscheidung? Darin, daß ich antworte, daß ich als dieser eine, Einzige, als der eben jetzt aus seiner Selbs…

  3. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 415

    Jetzt aber ist — für einen Augenblick jedenfalls - diese kompakte Weltordnung und mein „Innewohnen in ihr"4 zerbrochen. Ein Donnerschlag hat sie zerschmettert. In Stücken liegt sie ausgebreitet um mich her und aus den Trümmern dringt auf mi…

  4. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 416

    es mir, daß ich diesem Anruf den Rücken kehrte und die Augen schloß? Ich wurde nun rückwärts und mit verbundenen Augen dennoch seine Straße geführt und schließlich in den Winkel dieses Sprechzimmers vor das Angesicht Seiner Kreatur gesetzt.…

  5. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 417

    Und schon breitet sich über ihm wieder aus der Schleier des Schweigens und des Vergessens. Doch wir bewahren das Wort in unserer Tiefe. Unser Selbst verwahrt es für uns, für unser wahres Leben. Du aber glaubst es mir fortan, daß ich dir Weg…

  6. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 418

    geschlossen hätten? Als ob wir nun fortan Seite an Seite durch die Gefilde der neuerstandenen Schöpfung lustwandeln wollten? Das wäre allzu verlockend! Ich mache Halt und werde nachdenklich. Meine Krankheit ruft mich und droht mich anzufall…

  7. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 419

    leben wollen, daß es ohne sie und ihre Bedingtheit kein wirkliches Leben für uns gibt. Wir haben ihr ja etwas entgegenzustellen und entgegenzubringen. Uns selbst. Denn was in uns ist, das ist nicht Welt. In uns ist das Wort, das Er „auf dem…

  8. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 420

    …mich anblickt und die Leidensfrage, die Frage nach unserem Kranksein, an mich stellt1). In dankschuldiger Erinnerung an Franz Rosenzweig setze ich hierher dieses von ihm übersetzte Gedicht von Jehuda Halevi2): Der kranke Arzt Heile mich Du, mein Gott, so b…

  9. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 421

    EDUARD STRAUSS DAS ZEICHEN VON BOLSENA Franz Rosenziveig zum Gedächtnis In Orvieto erhebt sich einer der schönsten Dome der Christenheit. Man hat die Bemerkung gemacht, daß ein Bazillus den Anlaß zum Bau dieses Werkes gegeben habe. Was das …

  10. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 422

    erkennbar, beide sind in ihre Freiheit und in ihre Notwendigkeit eingesetzt, beide dem Sinn der Schöpfung Untertan. Daß sie einmal, zur wirklichen und rechten Zeit, nicht von trennender Erkenntnis für sich beobachtet, betrachtet, bezeichnet…

  11. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 423

    akt des Zaubers zu; sie sieht am Wesentlichen des Zeichens vorbei und leugnet es noch tiefer, als der stärkste Zweifel, indem sie Gott zum menschhaften Magier macht, dessen Kunst es sein müßte, mit immer gleicher Übung zu wiederholen, was e…

  12. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 424

    AUS FRANZ ROSENZWEIGS NACHLASS Franz Rosenzweig ist am 10. Dezember 1929 gestorben. Wir veröffentlichen hier aus Briefen an Freunde und aus Aufzeichnungen Gedanken von…

  13. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 425

    Die Offenbarung also ist fähig, Mittelpunkt zu sein, fester, unverrückbarer Mittelpunkt. Und warum? Weil sie dem Punkt geschieht, dem starren, tauben, unverschiebbaren Punkt, dem trotzigen Ich, das ,ach nun einmal bin". Meine „Freiheit44, u…

  14. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 426

    durch die Offenbarung seiner eignen Hingabe an die Ideale mächtig. Der Ideale sind viele. Eins verstellt dem andern das Licht. Das Gesetz der Vertauschbarkeit aller Gegenstände ... gilt auch für sie; der Mensch, zwischen sie gestellt, weiß …

  15. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 427

    er nämlich die Engel, die ihm Gott geschickt hat, an. Adventavit religio! Nun hilft nur noch eins: daß sich Gott selber (nicht er dem Menschen etwas) offenbart. Und dem Menschen dadurch ein Ziel für alle Projektionen und Substanzialisierung…

  16. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 428

    …es Ganzen halte — gegen Troeltsch für die ältere Auffassung —), also er setzt sich mit Ciceros Staatslehre auseinander: Cicero habe in einer, übrigens verlorenen Partie von de republ. dem Staat die beiden absoluten Zwecke der Selbsterhaltung (sal…

  17. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 429

    der fides willen preisgegeben wird; so die civitas terrena; in der eivitas Dei aber ist ein Konflikt zwischen Heil und Glauben nicht möglich. Hier hätte Augustin Jesajas 7,9 zitieren können, wenn nicht die lateinische Übersetzung hier einen…

  18. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 430

    nicht einmal selber, er gab nur her und stand mit verhülltem Haupte dabei. Abraham aber opfert nicht etwas, nicht ein Kind, sondern den •.einzigen46 Sohn, und was mehr ist: den Sohn der Verheißung und dem Gott dieser Verheißung (die traditi…

  19. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 431

    … uns nicht gegeben, weil wir lebenshungrig sind, sondern der Lebenshunger, weil wir leben sollen. 2. Aus einem Brief an Hans Ehrenberg vom 1. Januar 1926 Die Judenmission ist doch das Schiboleth, ob jemand das wahre \ erhältnis begriffen hat. Es wird auc…

  20. 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 432

    lieh, aber eine organisierte Judenmission darf es nicht geben. Das ist die kirchenpolitische Pointe des Sterns. - Die Judenchristen haben ihr Recht geschichtlich im Urchristentum (wo sie alsbald abstarben als die Heidenkirche des Paulus wuc…