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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 413

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 413 (sequence 42)
Language
German
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Meine Bereitschaft, die ich schon in der Jugend als Gefühl des immerwährenden Bedrohtseins kannte, hat nun mit diesen Erlebnissen eine entscheidende Wandlung erfahren. In ihr liegt die Wandlung, nicht etwa in der Krankheit. Meine Krankheit ist dieselbe geblieben. Wie sie mir treu blieb, so ist sie immerfort sich selber treu geblieben. Aber bei mir hat sich etwas geändert. Ich halte mich nicht mehr bereit, gleich in einem andern Weltwinkel zu verschwinden, sondern bleibe da, wo sie mich mit ihrem Frage- und Ausrufzeichen grad eben anrührt. Der Anfall ist seither—so wie ich ihn früher, am Ende der V orgeschichte, schilderte — immer der gleiche. Und ich? Ich selbst? Auch ich bin immer der gleiche, immer dieser eine, den er von Zeit zu Zeit heimsucht und wieder neu in Gehorsam nimmt. Aber was hat sich denn nun geändert? Wollte er mit seinem Eingriff denn nicht, daß ich ein anderer w erde? Soviel ich aus meinen Erfahrungen herauslesen kann: Eben nicht! Er wollte immer nur, daß ich da sei. Er will nur, daß ich da bin, w o er mich eben aufruft. Und daß ich antworte. Antworte worauf? Auf seine Frage. Wen meint er mit seiner Frage? Immer nur mich, keinen andern. Aber auf was bezieht sich denn die Frage? Immer auf den andern. Immer auf dieses Stück Welt, das mir eben hier und jetzt gegeben ist. Für es habe ich zu antworten. In dieser Situation, die überfällig und augenblickhaft, immer wieder erstmalig für mich gegeben ist, in ihr soll ich, als der eben jetzt und hier Getroffene, von der Frage des Fragenden Aufgerufene, antworten? Antworten für das Stück Welt, das mir ebenfalls jetzt und hier gegeben ist? Warum kann dieses Stück Welt, der andere nicht selbst antworten? Warum bin denn immer nur ich, ich allein gemeint? Hier stelle ich mir noch einmal die Frage: Wer war ich denn grad eben noch c? H vor dem Anfall? War ich da nicht doch ein anderer? Nein! Ich war wirklich schon immer der gleiche, nur daß ich jetzt im Anfall da bin, da bin vor ihm, der mich anfällt. Aber, wenn ich doch jetzt erst wirklich da bin, wo war ich denn eben noch vorher, vor dem Anfall? Da war ich noch eingeschlossen im Selbst, in meiner Selbstheit. Eingebunden und eingegrenzt im vorgeburtlichen Dunkel seines Geheimnisses. Was wußte ich in jenem Zustand von mir selbst? Traumhaft nur wußte ich, daß ich da bin, eingeschlossen in meiner Einzigkeit, ausgeschlossen von aller Welt. Und was weiß ich jetzt nach dem Anfall? Immer noch dasselbe, -113

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