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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 417

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 417 (sequence 46)
Language
German
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Und schon breitet sich über ihm wieder aus der Schleier des Schweigens und des Vergessens. Doch wir bewahren das Wort in unserer Tiefe. Unser Selbst verwahrt es für uns, für unser wahres Leben. Du aber glaubst es mir fortan, daß ich dir Weggenosse bin im Leiden. Daß ich nicht draußen bin in jener Welt, die nichts von deiner und unserer Not wissen will und kann. Und nun verstehst du auch, warum ich dort so bitter-wenig für dich tun durfte, warum ich dir keine Linderungsmittel reichte, warum ich keine klugen Ratschläge für dich ausdachte, und du verstehst, warum ich dein Einsam-sein nicht bekämpfte, warum ich es sogar liebte, suchte und selber brauchte. Magst du mir jetzt noch gram sein? Und so reichen wir uns die Hand im stummen Einverständnis, daß dies Zwiegespräch — das von uran ist — für uns immer neu im Anfang stehe. Und w7ohin gehen wir? Zurück in jene Welt? Sie ist uns diese Welt geworden. Nachdem ich mein Erlebnis vom Schulweg erzählt hatte, brannte die Schreibfeder mit mir durch. Noch nie zuvor hatte sich mir die Frage nach meinem Arztberuf so tief und sinnvoll gestellt. Mit einem Sehlag sah ich D P ihn ganz neu vor meinen Augen erstehen. \^ ie ein Geschenk nahm ich ihn dankbar als meine Berufung entgegen und mit dem Glücksgefühl des Empfangenden und Begnadeten schrieb ich nieder, was in dieser Gegenwart ich erlebte. Nur auf meinen Kranken hin konnte ich es verstehen. Ihm mußte ich darum das wiedergefundene Wort zurückgeben. Und nun steht mir all das im Weg. Es ist so merkwürdig! Ich möchte O H es wegtun. Denn es verhindert mich, den Faden meiner Selbstdarstellung wieder aufzunehmen. Ich wollte doch aufzeigen, wie ich durch und durch krank bin, und jetzt soll alles plötzlich so schön gelöst sein? Habe ich mich nicht hinreißen lassen? Ich werde mißtrauisch. Ich will mich warnen lassen. Ich sehe: Noch einmal liegt die Versuchung nahe, die Aufzeichnungen hier enden zulassen. In dieser neuen (regen wart wäre ich nun doch fertig geworden mit meiner Krankheit. Sie hat ihren Sinn mir nun offenbart und nun ist alles gut. Jene elt ist uns diese elt geworden." Klingt das nicht so, als ob wir nun im Himmel wären, als ob die Welt nun eine andere geworden wäre? Und sieht unser Handschlag nicht so aus, als ob wir beide hier in dieser Welt einen Bund gegen jene Welt 117

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