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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 425

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 425 (sequence 54)
Language
German
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Die Offenbarung also ist fähig, Mittelpunkt zu sein, fester, unverrückbarer Mittelpunkt. Und warum? Weil sie dem Punkt geschieht, dem starren, tauben, unverschiebbaren Punkt, dem trotzigen Ich, das ,ach nun einmal bin". Meine „Freiheit44, und zwar nicht meine Freiheit, wie sie die Philosophen umlügen, indem sie ihr das rote Blut der Willkür abzapfen und es in das Gefäß der „Sinnlichkeit", des Triebs", der „Motive44 laufen lassen und nur den blutlosen Rückstand des Gehorsams gegen das Gesetz als Freiheit kennen wollen. Sondern die ganze Freiheit, meine volle dumpfe, verantwortungslose Willkür, mein ganzes „so bin ich nun einmal44, ohne das jene Philosophenfreiheit lahm von Geburt an ist. Denn was hilft aller Gehorsam gegen das Ideal, alle Annahme allgemeingültiger Maximen, alle Hegeische Sittlichkeit, wenn der Mtnseh, dem alle diese schönen Dinge zugemutet werden, nicht bei Kräften ist?Ja mehr: wenn er nicht so sehr bei Kräften ist, daß er in dieser seiner sündhaften Natürlichkeit sich aller dieser Ideale, die seinen Dienst verlangen, Herr weiß und in all seiner Punkthaftigkeit erst den Mut findet, den Schlußpunkt hinter jeden Satz des Systems der Sittlichkeit zu setzen. ie aber gewinnt er solche Kraft und solchen Mut? Die „Ideale44, „Imperative44, „Ideen44 et hoc genus omne sprechen zum Menschen: Gib dich mir hin! aus „Dankbarkeit**, „freiwillig", auf daß du „werdest der du bist44, deine „Bestimmung"* erfüllst - aber jedenfalls: gib dich mir hin! Voraussetzung also, daß der Mensch sein Eigenes aufgibt. Dagegen sagt die Offenbarung: Tue meinen Willen! wirke mein Werk! Voraussetzung also, daß dem Menschen das Eigene Gottes, Gottes Willen, Gottes Werk anvertraut wird, auf daß er es tue. Welche Paradoxie das, vom Standpunkt der Welt aus gesehen! Das Höchste, statt unsre Hingabe zu verlangen, gibt sich uns selber hin: statt uns zu seiner Höhe zu erheben, steigt es zu uns nieder, und wiederum, statt uns unser Selbst zum Lohn zu versprechen („werde, der du bist"), verheißt es uns Entselbstung, Gottesnähe als Seligkeit. Der Mensch also, dem Gott sich anvertraut, zu dem Er, der erhaben und demütig in Einem ist, sich herniederläßt — der Mensch empfängt, indem er Gott in sich Raum macht, alles was sich Gotte hingegeben hat, auch sich selbst, den Mensehen. Alle Hingabe in der Welt mündet in Gott als der Idee der Ideen, und Gott, indem er sich nun in der Offenbarung seinerseits dem Menschen schenkt, bringt ihm als Mitgift alle weltliche Hingabe. So wird der Mensch

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