Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 431 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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seitige Verstehen so schwer, daß der eine Teil allemal dazu verführt wird den anderen in die Nähe derer zu schieben, die überhaupt keiu Bleibendes kennen; es ist vielleicht das naheliegendste, wenn auch nicht gerade das richtigste, Gegengift gegen diesen Irrtum der gegenseitigen Paganisierung, wenn man einfach auf den gemeinsamen Besitz des Buches reflektiert. Ihre ganze Schilderung der „Synagoge** seit TO vergißt oder will nieht wahr haben, daß wir mit Bewußtsein „das Joch des Himmelreiehs auf uns nehmen", daß wir für die Sünde des Hochmuts, des Nicht mit deichen?*, des mittlerlos im Licht des Gottesantlitzes Wandeins - bar zahlen, subjektiv durch die Leiden des Bewußtseins der Aufgeschlossenheit, der Uneigenheit, und objektiv dadurch, daß wir Euch das ewig mahnende Denkmal Eures Nochnicht sind (denn ihr, die ihr in einer ecclesia triumphans lebt, habt einen stummen Diener nötig, der euch allemal, wenn ihr in Brot und Wein Gott genossen zu haben glaubt. zuschreit ^sg-otx [i.£fi.vY)ao tcov scjyaTCov). Daß nun unsere ganze Teilnahme am Leben der \ ölker nur ,,clam, vi. precario^ geschieht, das habe ich doch wohl selber schon Ihnen gesehrieben. Gewiß, es ist alles Handlangerarbeit, was wir leisten; wir müssen da* Urteil annehmen, wie es über uns gefällt wird, wir können uns nicht selbst beurteilen (weil es nicht unsere eigne Geschichte ist. an der wir wirken). Alles wahr, und die Welt zieht die Konsequenzen, selbst wenn einzelne unter uns sich für ihre Person dagegen sträuben (nicht ich). Aber daß wir überhaupt irgendwie am Leben der Völker (und damit je länger je mehr am christlichen Leben) passiv teilnehmen, das ist unvermeidlich, wenn anders wir überhaupt leben sollen, und daran hängen w ir allerdings „grenzenlos", aber — Eure Legende vom Ewigen Juden, wenn Sie sie nicht vermanschen, sagt es Ihnen — nicht aus Lebenshunger, sondern aus Lebenspflicht (metaphysischer Pflicht, „\ erdammtheit" nach Eurer, „Erwähltheit" nach unserer Auffassung); das Leben ist uns nicht gegeben, weil wir lebenshungrig sind, sondern der Lebenshunger, weil wir leben sollen. 2. Aus einem Brief an Hans Ehrenberg vom 1. Januar 1926 Die Judenmission ist doch das Schiboleth, ob jemand das wahre \ erhältnis begriffen hat. Es wird auch weiter Judentaufen geben, obwohl die Pfarrer es dem, der zu ihnen kommt, so schwer machen sollten, w ie mög- 431