Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 423 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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akt des Zaubers zu; sie sieht am Wesentlichen des Zeichens vorbei und leugnet es noch tiefer, als der stärkste Zweifel, indem sie Gott zum menschhaften Magier macht, dessen Kunst es sein müßte, mit immer gleicher Übung zu wiederholen, was einmalig ist, und etwas zu können, was seinem schöpferischen Willen widerspricht: nämlich den steten Weg in ein endloses Siehdrehen im Kreise zu verwandeln. L nd auch keine neue Deutung der N aturgesetze oderNaturregeln,keine von all den unendlich vielen möglichen Entdeckungen vermag den Sinn des Zeichens zu fassen; sie könnten ihn nur entstellen, wenn sie ihm eine „Wahrscheinlichkeit" geben wollten, deren das Zeichen gar nicht bedarf, oder wenn sie mit Enthüllung bedrohen, was v or den Augen dessen, dem es angehört, immer schon hüllenlos er>chienen ist. Jedem von uns sind seine Zeichen als rein persönliche, als echte Begegnungen, gegeben. Wie wir sie erfahren und lesen, wie wir sie erkennen und ihnen vertrauen, das ist so eigen und ausschließlich das t n-rige, so wirklich und unauflöslich an uns und unsere Stunde geknüpft, daß schon der Bericht, schon dieses ,,es geschah mir*" durch seine sagende Eortleitung in das nächste oder in jedes fernere Jetzt den echten Augenblick trüben, verfinstern, fälschen kann. Den Bericht anzweifeln oder ihn glauben können wir wie allen Bericht - das heißt : wie alle Geschichte. Aber alle Geschichte ist dahingegeben, wenn wir sie nicht als zeichenerfüllt erkennen. Aus allem ,,Leben"" wird in ahrheit Geschichte in jenen Augenblicken der Gegenwärtigkeit, in denen alle Vergangenheit sich zusammenzieht und in die Zukunft vorstößt, in denen Mensch und Welt beieinander sind und Gott hinzutritt: im Zeichen. Vor der Geschichte des Einzelnen wie der Menschheit gehen uns immer neue Augen auf; w ir sehen immer und immer wieder in sie hinein und erfassen mehr und noch mehr das Zeichenhafte in vorher übersehenen Begebenheiten. Es ist die eigene Artung jeder Lebenszeit und des in ihr gerade aufgetanen Blickes, daß diese und gerade diese Wunder sich erschließen : unerhört, da sie erhofft wurden, selbstverständlich, als sie eintrafen. Deshalb, so scheint es, muß immer aufs neue Geschichte berichtet, geschrieben, gelesen werden, daß ihre Zeichen alle kundwerden und der Weg der Vollendung sich im ewigen Lichte immer klarer zeichne: als unsere Geschichte. L nd ebenso ist auch unser Hineinblicken in das Wesen, das w ir Natur nennen, ein immer dichter werdendes Zeichenlesen: immer offenbarer erfüllt sich vor dem in Wahrheit forschenden Blick die Schöpfung: als unser Geschaffensein. m