Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 432 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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lieh, aber eine organisierte Judenmission darf es nicht geben. Das ist die kirchenpolitische Pointe des Sterns. - Die Judenchristen haben ihr Recht geschichtlich im Urchristentum (wo sie alsbald abstarben als die Heidenkirche des Paulus wuchs) und dogmatisch in der christlichen Eschatologie. Dazwischen sind sie in der ersten Hinsicht ein Anachronismus und in der zweiten eine Paradoxie. III. ÜBER DAS OPFER Aus einem Brief an Eduard Strauß vom 5. Januar 1922 Wir beten um die Wiederherstellung der Opfer. Sie gehört in die messianische Zeit. Was heißt das? Die Offenbarung ist kein Opfermahl, sie ist Wort. Gehört zur Erlösung das Opfer? Das Opfer ist der extremste Gegensatz zum Wort. Kein Wunder, daß das Christentum es abgelehnt hat, bzw. „vergeistigt". Gegensatz zum Wort ist aber das Ding. Geopfert werden Dinge. Lebewesen zu opfern bedeutete sie als Dinge behandeln. Eben das hat mit der Offenbarung aufgehört. Seitdem gibt es den Gegensatz von Wort und Ding. (Vorher konnten sie verwechselt werden — Menschenopfer, Zauber usw.) Seitdem geschieht das Geschehen zwischen Wort und Ding (zwischen Offenbarung und Schöpfung). Bei allem was geschieht kannst Du sagen, ob es Wiederholung (Erneuerung) der Offenbarung ist — dann ist es nämlich bloß mündlich, bloß Wort, wie das Gebet usw. - oder ob es Vorklang der Erlösung ist — dann ist es nämlich sichtbar. Auf die Sichtbarkeit kommt es an. Denk an die Stelle der Mussaf-Keduschah1), auf die ich solchen Wert lege: „Und er wirds euch zum zweiten Mal hören lassen vor den Augen alles Lebendigen, euch Gott sein zu wollen." Vor den Augen alles Lebendigen! „Hören lassen" hat er es uns „schon einmal" („ein Mal"!), aber das „zweite" Mal, wo es „vor den Augen alles Lebendigen" uns gesagt wird, das steht noch aus. Wir beten also um die Sichtbarkeit. Die Offenbarung ist ja da, um sie haben wir nicht zu bitten, sondern für sie zu danken. Diese Verwirklichung, um die wir also bitten müssen, ist nun z. T. gewiß die „soziale", zwischen Mensch und Mensch. Da haben die Liberalen ganz recht. Weltfrieden usw., alles Auswirkungen des Worts. Aber das x) Das „Heiligkeits"-Gebet des Sabbat- und Festtag-Gottesdienstes. Das Zitat im Original in hebräischer Sprache. (Anm. d. Red.) 432