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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 422

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 422 (sequence 51)
Language
German
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erkennbar, beide sind in ihre Freiheit und in ihre Notwendigkeit eingesetzt, beide dem Sinn der Schöpfung Untertan. Daß sie einmal, zur wirklichen und rechten Zeit, nicht von trennender Erkenntnis für sich beobachtet, betrachtet, bezeichnet werden, sondern daß sie in dem „Wirklichkeitspunkt", in dem unauflöslichen Zusammen eines einzigen unwiederholbaren Augen- Blicks dieses und gerade dieses Menschen sich begegnen und Hand in Hand da sind, das macht da und dann die Schöpfung als Sinnhaftes kund, das macht Geschehen zur Geschichte, das ist das Wesen des Zeichens. Zeichen ist die irklichkeit, die von Gott spricht, ohne ihn zu nennen. Vor diesem Wesen verweht die Frage nach der Erklärung und nach jeglichem ..Realismus" der Dinge; das Zeichen ist ja nicht der wirkliche Weg selber. Es ist gleichgültig, aus was für einem Stoff der Weiser gemacht ist, den ich erblicke, wenn ich des Weges sicher werden soll; es ist gleichgültig, welcher Schall und woher er mein Ohr trifft, wenn ich des lenkenden Rufs, des richtenden Befehls bedarf. Einzig und allein darauf kommt es an, daß das Zeichen als Zeichen eindrücklich geschaut, gehört, erfaßt werde. Zeichen sind immer und überall; denn dadurch ist alles Werden, Sein, Vergehen eben Schöpfung, daß es zeichenhaft sein, daß es den Sinn des Wegs zur erlösenden Vollendung kundtun und offenbar machen kann. An der Begnadung von Auge und Ohr des lebenden Menschen allein liegt es, daß er, Geschöpf mitteninne, die Zeichen erfasse, in denen Gott ihn bei der Hand nimmt, um ihn in seine Welt hinein und mit ihr zu seinem Ziel zu geleiten. Da nun geschieht es, daß jedes Es zum Mein werden und jedes Ich ins Wir münden darf. Damit zugleich wissen wir, daß Gott um dessentwillen seine Wege und Gesetze nicht zu ändern braucht: er hat diese Welt als Eine geschaffen und darin schon vom ersten Werde an alles eingetan, was in dem alle Zeit zu durchschreitenden Werde-Gang vom Plan Zeugnis ablegen und Zeichen sein soll. Aber Durchbrechung, Änderung des Schöpfungswegs wird immer vermeint, wenn vom ,,Wunder" die Rede ist. In der Tat muß Der eine solche Störung des Naturlaufs glauben, der annimmt, daß Gott nicht die eine einzige, sondern zwei Welten geschaffen habe und daß die eine jenseitige Zeichen welt in die ihr wesensfremde diesseitige Naturwelt eingreifen solle. Er mutet dann seinem Glaubenkönnen eine Überanstrengung zu, aus der ihn jede wahrhaftig gemachte Erfahrung wieder in den Zweifel stoßen muß. Jede Annahme einer Durchbrechung überhaupt traut Gott den Gewalt - 422

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