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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 414

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 414 (sequence 43)
Language
German
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nur dasselbe, daß ich da bin, ganz allein bin, ausgeschlossen von aller Welt. Wo aber — zum Kuckuck! — liegt denn die Wandlung, die Entscheidung? Darin, daß ich antworte, daß ich als dieser eine, Einzige, als der eben jetzt aus seiner Selbstheit aufgeschreckte, durch den Ruf des Rufenden zu neuem Leben erweckte Mensch antworte. Ihm antworte für das Stück W elt, das ich eben hier vorfinde. Ich soll für dieses Stück Welt, das ich hier vorfinde, antworten, es verantworten? Hab ich denn das nicht schon immer getan? Habe ich früher es nicht sogar besser gekonnt als jetzt? Fühle ich denn nicht gerade jetzt mich, was Verantwortung anbetrifft, hilfloser und kraftloser als ein Kind? Gewiß, so klein das Kind auch sein mag, es darf in all seinem Tun und Lassen Halt suchen an all dem, was vor ihm in der Welt schon da war. Die Festigkeit des Weltteiles, der ihm greifbar ist, von der Wiege an bis hinaus in die große Welt, darf es, so weit es sie zu fassen vermag, als seine eigene Festigkeit und Sicherheit sich zu eigen machen. Dieser Gang durch die Welt, der seine individuellen Anlagen zur Entfaltung bringt, diese Karriere zur Persönlichkeit, wie sie ihrer Art und Gattung nach, also irgendwie typologisch, beschrieben wr erden kann, ist selber Welt. Alles issen von der Welt und ihren Dingen, körperliches wie geistiges, all das ist Welt. Und all diese Welt ist mir meine eigene „vorläufige44 Festigkeit und Sicherheit. Aus dieser Welt und ihren Ordnungen und zugleich aus meiner eigenen, zu dieser Weltkompaktheit gehörenden, Existenzform als Persönlichkeit reißt mich der Anfall heraus und wirft mich mit seiner souveränen Gebärde hinein in mein Selbst. Nun bin ich da, unmißverständlich mich selbst, und dort ist die Welt. Ich bin nicht mehr ein Teil von ihr. Und sie ist nicht mehr ein Teil von mir, mit dem ich nach Belieben umgehen kann, den ich auf irgendeine beliebige, noch so hohe, geistige Ordnung hin verstehen, einreihen und — wie bisher — verantworten kann. Im allgemeinen kamen Frage und Auftrag zu mir von irgendeiner Weltordnung her, in deren Dienst ich mich stellte. Und ihr antwortete ich auch. Für das Kind den Eltern, für das Individuum der Gattung, für den Bürger dem Staat, für den einzelnen Gedanken einer geistigen W elt. Immer der Welt. Selber Welt-Insasse, verantworte ich die Welt vor der Welt. 414

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