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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 415

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 415 (sequence 44)
Language
German
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Jetzt aber ist — für einen Augenblick jedenfalls - diese kompakte Weltordnung und mein „Innewohnen in ihr"4 zerbrochen. Ein Donnerschlag hat sie zerschmettert. In Stücken liegt sie ausgebreitet um mich her und aus den Trümmern dringt auf mich zu das Stöhnen der Kreatur und pocht an die . . . verschlossene Türe meines Herzens. Ich selbst bin heil geblieben und weiß es nicht, und will es immer noch nicht wissen. Ich schließe die Augen, daß ich das Stückwerk nicht sehe, und ich presse die Ohren ins Federkissen, daß mich sein Stöhnen nicht erreiche. Da fällt mir plötzlich noch ein Jugenderlebnis ein. Ich muß es erzählen. Ich hatte es nie vergessen. Ich wußte schon längst, daß es meinem ersten Migräneanfall kurz vorausging und daß es mit meiner Krankheit zusammenhängt. Aber eben erst jetzt, in diesem Augenblick, wird mir seine „eigentliche" Bedeutung offenbar. Ich war am frühen Morgen auf dem Schulweg, den Schulsack am Rükken. Ich hatte ein Viertel des Schulweges zurückgelegt und war eben angelangt vor dem Hause meines Zahnarztes. Da* an dieser Stelle, spricht mich von vorne plötzlich etwas an. Laut und vernehmbar. Es hatte den Inhalt einer Verheißung, die mich erschreckte. Ich konnte seinem Anprall nicht standhalten. Mit einem Ruck kehrte ich ihm den Rücken zu. Ich mag das da hinten nicht sehen und hören. Ich will nur meine mir bekannte Straße zur Schule und von der Schule wieder nach Hau>e, sonst nichts. Ich machte mich im ganzen Körper steif, preßte die Augen zu, biß die Zähne zusammen, bis das Unheimliche da hinter mir ins Nirhts zurückgesunken war. Da löste sich der Krampf und ich ging auf meiner Straße weiter. Mittags, auf dem Heimweg, blieb ich an der gleichen Stelle stehen und besann mich, was denn eigentlich hier geschehen sei, konnte aber nichts mehr finden. Ich hatte jedoch das Gefühl des Bedauerns, hier an dieser Stelle etwas Großes von mir gewiesen zu haben, in den letzten Jahren — wenn ich daran zurückdachte - hatte ich immer die Idee, e> sei mir dort über den bevorstehenden Tod meiner geliebten Kltern .Mitteilung gemacht worden. Jetzt weiß ich es aber wieder richtig. Mir wurde gesagt: „,Krschrick nicht, Ich bin da! Du, meine geliebte Seele, wirst einmal ganz allein ^ein, ohne einen Halt außer dir und ohne eine Stütze. L nd du w irst stehen im Nichts und die Welt, die arme, mißbrauchte und mißhandelte Welt, meine Kreatur wird deiner bedürfen und bei dir anpochen!** Was half 4I.">

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