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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 411

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 411 (sequence 40)
Language
German
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mich auf den Weg. Und angelangt bei ihm, dem ich doch nun zeigen wollte, was Unmögliches er von mir verlangt hat, war alles weg! Das war ein Kerl! Die beiden Fälle sind für mich nicht gleichwertig. Im ersten war die Wirkungskraft des Leides und des Schmerzes betont. Im zweiten der Anruf an mich und mein Gehorsam. Im ersten w aren Anruf und Gehorsam auch enthalten, wurden mir aber in ihrer Bedeutung nicht bewußt. Sie schienen nebensächlich und zufällig zu sein. Der Chefarzt schonte mich nicht, weil etwas viel Ernsteres und \\ ichtigeres auf dem Spiele stand. Nun kommt das Frühjahr 1918. Nach längerer U nterbrechung - der letzte Anfall war eben der am Telephon — kommt wieder ein erster und sehr heftiger Anfall. Ich stehe oben in meinem früheren Sprechzimmer an der Türe, die Türfalle in der Hand. In mir regt sich sehr deutlich das Bild und der Impuls der Flucht. Ich tendiere zur Türe hinaus, hinüber ins Schlafzimmer, sehe mich dort zum Fenster eilen, um die Läden zu schließen . . . Warum widersteheich nun hier zum erstenmal von mir aus dem Fluch timpuls? Es liegt nahe zu vermuten, daß ich aus den zwei früheren Erlebnissen eine Lehre gezogen habe und nun vorsätzlich handle. Doch ich fühle deutlich, daß ich mit einer solchen Erklärung den Zusammenhang mit der Wirklichkeit verlieren würde. Sie ist kurzschlüssig und führt eben hin zu jenem Mißverständnis, als hätte ich meine Krankheit als ein Übel besiegt und aus der Welt geschaßt. Was hier vor dieser grünen Polstertüre mit mir geschehen ist und seither immer wieder neu und erstmalig geschieht, kann ich nur durch eine ganz sorgfältige und exakte Wiedergabe eben dieser Erfahrung selbst erhellen. Was ist also mit mir geschehen? Der Fluchtimpuls trat hier zum erstenmal deutlich vernehmbar als Frage — statt als Lösung - an mich heran. Sie lautete ungefähr: Willst du wieder davonlaufen?-* Lud aus mir kommt ebenso deutlich hörbar die Antwort darauf: „Nun ja. eigentlich kommt's ja für mich aufs gleiche heraus, ob ich hier geplagt werde oder im Bett. Ich bleibe mal, wo ich eben bin.** Ich lasse die Türfalle los. L nd nun stehe ich da, wie immer schon allein, verloren im Fremdraum! Ich halte die Hand vor die geblendeten Augen und frage mich, was ich mit mir nun anfangen kann. Da! Ein Ruck zur Schreibmaschine. Ihre Tasten kann ich zur Not noch meistern. Ein Papier in die Rolle. Ich schreibe, ül

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