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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 4 · p. Seite 393

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 4
Date
1929-01-01
Page
Seite 393 (sequence 22)
Language
German
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in derselben Weise in der Existenz wie das Komische, und die Verdeutlichung dieser Grundverfassung gibt dem Komischen neues Gewicht und neuen Hintergrund. Dem Idioten wird in eigentümlicher Weise die Erfüllung zuteil, deren latente Erwartung das Dasein Chaplins charakterisierte: die Erfüllung in einer positiven Beziehung ohne Lächerlichkeit und ohne Mitleid, ohne Kontrast und ohne Unzulänglichkeit, trotzdem ohne Sicherung und trotzdem ganz situationshaft - in der Bindung an Rogoshin. Die so sehr Erfüllung ist, daß unmittelbar aus der Situation Symbol werden kann: das Kreuzetauschen. Dennoch bleibt beider, Chaplins wie des Idioten, Dasein das gleiche: seiner selbst unbewußt, selbst-los, punktuell, dort faktisch einsam bleibend, hier eingehend in die Brüderschaft und in ihr bis zum Verschwinden gebracht, zum Nicht-mehr-sein. Der Don Quijote ist der entgegengesetzte Pol der Komik. Die Existenz, die sich ihres Wertes aufs äußerste bewußt ist! So sehr, daß sie nicht bloß als Charakter eintritt in eine Welt, um sich in ihr zu behaupten, so sehr, daß vielmehr alle äußere gegenwärtige Welt verschlungen ist in 7 o c p p den Rausch ihrer Innerlichkeit, daß ihr alles Begegnende nur noch zum Anreiz dient, die Bewegung dieser Innerlichkeit auszulösen. \\ ährend das selbstlose Dasein in eine Welt hineingeriet und in ihr aufging, geht hier eine Welt in das Selbst ein. Das Selbst ist die Welt. Das Selbst hat schon alles vorweg, es kann ihm nichts Neues begegnen, seine Wirklichkeit ist die, die in ihm schon vorgezeichnet und bis in Nuancen hinein ausgearbeitet ist, — fast nicht anders wie in der Ideenwelt Piatons, nur nicht in einem transzendenten Jenseits, sondern im Diesseits dieser Innerlichkeit, die die Fülle alles möglichen Geschehens, Anschauung, Erkenntnis, Wert und Regel des Lebens zugleich enthält. Don Quijotes Leben vollzieht sich als eine Folge von Abenteuern. Alles W irkliche hat für ihn die Form des Abenteuers, das zu bestehen ist, ist von allem Anfang schon so gekennzeichnet. Es ist nicht ^Erlebnis*", das betrachtet und verarbeitet würde, sondern Abenteuer, an dem sich das Selbst zu bewähren hat. Es kann darin siegen oder unterliegen, es wird sich niemals wandeln. Wie sollte es sich auch wandeln, sind doch alle Abenteuer nichts anderes als das Ausschöpfen dieses gleichen Selbst, angestoßen, ausgelöst freilich immer durch eine Begegnung. Wäre dies nicht, so bliebe der Ritter in der Stube, träumend oder lügend. Aber er zieht aus, um die \\ irklichkeit zu 3<)3

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