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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 340

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 340 (sequence 91)
Language
German
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„materiell": sie erscheint notwendigerweise so, nur weil und insofern sie noch unbewältigtes — vom Geist noch nicht durchdrungenes — Material darstellt. Es geht darum, in Indien wie überall, die menschliche Substanz zu retten und zu erschließen, die dieser Zivilisation gewachsen ist und sich in ihr, mit ihr, durch sie hindurch geistverleibend bewährt. Es geht darum, aus dem geretteten Seelenelement den standhaltenden Menschen zu bilden. Dies ist in Indien Mahatma Gandhis großes Werk, das nicht im Tempo der politischen Unternehmungen und ihrer Erfolge, aber in dem des Gottesschrittes gewirkt wird. 3. Ist also Politik zu treiben? Das moderne Abendland steht auf der sanktionierten Entzweiung von Politik und Religion. Man höre nur, wie der Politiker das Wort „Ethik" und wie der Theologe das Wort „Aktion" ausspricht. Die Politik ist unverklärt, aber mächtig; die Religion (im weitesten Sinn, also der Uberbau der geheiligten „Werte") ist Gegenstand abgestufter Weihegefühle, aber unverbindlich. Mit seinem Versuch, „die Religion in die Politik einzuführen", ist Gandhi in die Reihe derer getreten, die die noch immer wachsende Entzweiung von Politik und Religion zu überwinden streben. Die Tragik, in die er damit eingetreten ist, ist die eigentümliche des prophetischen Menschen. Diese Tragik ist zu erkennen und zu verehren. Emil Roniger sagt in seinem Vorwort zu dem von ihm herausgegebenen Buch „Gandhis Leidenszeit": „Das Leben läßt sich mit Religion durchdringen — die Politik nicht. Ein Leben, das von Religion durchdrungen wäre, würde keine Politik mehr kennen. Einzig Durchdringung des Lebens mit dem Sauerteig des Religiösen kann uns eines Tages von der Schlange Politik erlösen, die uns mit ihren kalten Schlingen umstrickt hält." Aber das hieße: faktisch, für jetzt und hier, das öffentliche Leben der Verdammnis preisgeben, privates und öffentliches Leben zerscheiden, die Transmissionslosigkeit, Nicht Veröffentlichung des Geistes in unserer Zeit bestätigen, das Werden einer neuen —notwendigerweise „politischen" - Gemeinschaftsstruktur, einer den gegenwärtigen Staatsapparat von innen aufzusprengen bestimmten verhindern, der Menschheit vor ihrer entscheidenden Probe die Kräfte, die sie dafür braucht, entziehen. Jesus konnte sich mit dem Gebot begnügen, dem fernen römischen Kaiser nur 340

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