Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 337 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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erkennen wollen, das indische Unabhängigkeitsideal seinen - wirklichen und möglichen — Inhalten nach betrachten. Das scheint mir am deutlichsten zu geschehen, indem wir das Programm des Mahatma mit dem seines Gegners, des großen Patrioten Chitta Ranjan Das vergleichen. Während Gandhi gefangen saß — am 26. Dezember 1922 - eröffnete Das den allindischen Kongreß in Gaya mit einer Rede, in der er, mit einer Huldigung für den Mahatma beginnend, drei Postulate formulierte. Das erste, taktische, stellte der non-cooperation Gandhis die Forderung eines „inneren44 Boykotts der gesetzgebenden Räte entgegen, in die man sich entsenden lassen und deren Tätigkeit man obstruieren solle. Diese Forderung tritt nicht aus den Grenzen der Gewaltlosigkeitsidee, aber sie versucht ihr statt eines passiven Gehalts einen unmittelbar-aktiven zu geben, - freilich einen, dessen mögliche Folgen für die Wahrung der Gewaltlosigkeit bedenklich sein könnten. Das zweite, außenpolitische, Postulat entwarf im Gegensatz zu Gandhi, der Indien nur auf sich selbst gestellt vorgehen lassen wollte, das Programm einer asiatischen Föderation, die Indien anzuregen und in der es zu wirken hätte. Man muß, um diesen Gedanken zu würdigen, sich vergegenwärtigen, daß er in einem indischen Mund ganz anderes bedeutet als etwa in einem russischen oder japanischen. Auch er tritt nicht aus den Grenzen der Gewaltlosigkeitsidee; was er meint, ist ein asiatischer Bund, der dem Abendland die Kooperation kündigt und sich eben dadurch von ihm unabhängig macht. Die möglichen Folgen sind hier allerdings für die Wahrung der Gewaltlosigkeit noch weit bedenklicher als beim ersten Postulat. Das dritte und wichtigste, konstruktive, betraf den inneren Autbau eines unabhängigen Indiens. Der Svaraj, erklärte Das, dürfe weder eine parlamentarische noch eine bürokratische Regierung werden. Die britische durch eine indische Bürokratie ersetzen, wäre nutzlos. Man müsse vielmehr die Grundform der alten indischen Dorfgemeinschaft erneuen. Es gelte, ein System relativ autonomer kleiner Gemeinschaften zu errichten, die sich zu größeren und die wieder zu größeren, ebenfalls autonomen, zusammenfügen sollten, die ihrerseits um eine einigende zentrale Macht von vorwiegend konsultativem Charakter gruppiert wären, welche nur in Ausnahmefällen ihre Autorität auszuüben hätte. Dieses dritte Postulat, das ich als eine brüderliche Erwiderung aus 337