Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 341 (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
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eben zu geben, was „sein" sei, und das eigne Reich so gegen das des nicht aktuellen, weil das Leben des Bürgers, und gar des palästinensischen, nicht aufsaugenden Staatszentralismus abzugrenzen; die Propheten Israels mußten dem König in Jerusalem, als dem Schutzherrn des Unrechts im Land, mit den Feuerbränden des religiös-politischen Wortes entgegentreten. Man soll, meine ich, die Politik weder aufsuchen noch meiden, man soll weder prinzipiell politisch noch prinzipiell apolitisch sein. Das öffentliche Leben ist ein Bezirk des Lebens, es ist in unsrer Zeit in seinen Gesetzen und Gestalten ebenso entstellt wie alles Leben, seine Entstellung nennt man heute Politik, wie man die Entstellung des Arbeitslebens Technik nennt, aber wie diese ist jene nicht in ihrem Wesen Entstellung, - wie diese ist jene erlösbar. Die Staaten und die Parteien sind erfolgreich bemüht, die \\ irklichkeit der öffentlichen Situationen durch die Fiktionen der politischen Gespinste zu verdecken. Es gilt, die Gespinste zerreißend in die jeweilige öffentliche Situation, die einen fordert, einzugehen und in ihr und für sie Verantwortung zu üben. Die Staaten und die Parteien sind weiter erfolgreich bemüht, das Zustandekommen der Bünde und letztlich des Bundes der Menschen, die jRea/gesinnungen (zu lebende Gesinnungen) hegen und daher in der realen Verantwortung zusammenwirken können, durch Scheinbünde zu verhindern. In diesen wird eine Minderheit von Realgesinnungs-Menschen mit einer Mehrheit von Menschen einer angeblich gleichgerichteten Fiktivgesinnung (nur durchzusetzenden, nicht auch zu lebenden Gesinnung) zusammengekoppelt und dadurch unschädlich gemacht. Wer in der Politik dem Geist gehorsam bleiben will, darf in keiner Situation vergessen, daß es auf das Werden jener echten Bünde und letztlich jenes Bundes ankommt, — daß das aber, wenn es sein \\ erk am öffentlichen Leben tun soll, nicht über dem Handgemenge, sondern in ihm sich vollziehen muß. Derjenige soll in die Parteien, wer sich stark und frei genug weiß, um in ihnen gegen jene Lüge des Parteiwesens zu kämpfen. Auch wenn er erliegt, hat er sein Werk getan. Das eigentliche Übel an der Politik ist das in ihr wie anderswo herrschende „politische Mittel44: den andern Menschen zu gewinnen, indem man sich ihm auferlegt. Es ist aber möglich und not, im öffentlichen Leben (wie anderswo) anstatt des politischen das religiöse Mittel zu ver- 341