Mannheim
Compact Memory
1,405 pages · page 32Sort: oldest first · newest first
Pages per year (click a year to narrow down)
486
19261929
  1. 1927-01-01 · Heft 2 · page 13

    RUDOLF EHRENBERG GEWISSEN UND GEWUSSTES Wenn das katholische Kind auf den Beichtgang vorbereitet wird, so lernt es als Erstes, sein Gewissen zu „erforschen". Das Forschungsergebnis ist eine schwarz auf weiß fixierbare Sammlung von Sünden, v…

  2. 1927-01-01 · Heft 2 · page 14

    Im einen Fall bestätigt das Gewissen die bestehende Weltordnung, im anderen Fall widerstreitet es ihr. Die Schwere der Gewissensbelastung steht in keinem einfachen Verhältnis zu dem Fluch der Tat; die gefühlte Gewissensbefriedigung bürgt ni…

  3. 1927-01-01 · Heft 2 · page 15

    einem schlechten Gewissen kann man nicht wirklich schlecht sein. Das gute Gewissen glaubt der Vergangenheit, das schlechte Gewissen glaubt an die Zukunft, beide zusammen ergeben die Totalität Mensch. Das gute Gewissen ist eine soziale Angel…

  4. 1927-01-01 · Heft 2 · page 16

    die Welt in eins zu erleben - das heißt Gewissen zu haben - und nicht zu verzweifeln? Das ist zwiefach möglich, diesseits und jenseits der Verzweiflung. Diesseits. Die Welt ist so eingerichtet, daß das Leben ohne Gott möglich ist, daß es de…

  5. 1927-01-01 · Heft 2 · page 17

    das gute Gewissen ist der Logos eines in sich vollendeten Kosmos, die olympischen Götter sind die personifizierten guten Gewissen der hellenischen Welt, sie sind nicht jenseits aber diesseits von Gut und Böse. Wo ein Mensch, ein Volk, eine …

  6. 1927-01-01 · Heft 2 · page 18

    Ganze den Teilen und die Teile dem Ganzen, der Wille zur Gesundheit ist die Vollkommenheitsforderung des leiblichen Gewissens. Gesundheit bewährt aber nicht nur den Organismus in seiner inneren Selbstvollendung, sondern auch die Welt, in de…

  7. 1927-01-01 · Heft 2 · page 19

    tialität „Gewissen44 gesetzt. Die Gewaltherrschaft des großen Despoten ist die civitas dei ohne Gott, die Vollkommenheitsforderung und Vollendungsmöglichkeit des Einzelnen ist unter ihr gegeben in der Verwirklichung des Herrschaftsanspruchs…

  8. 1927-01-01 · Heft 2 · page 20

    tät ohne Erfüllung die einzige von uns aus mögliche Aussage über eine jenseitige Wirklichkeit ist, gewissermaßen der Raum hinter dem Spiegel, der nur da ist, wenn ein Antlitz sein Bild in dem Spiegel sieht. Aber wenn dem so ist, wenn mit de…

  9. 1927-01-01 · Heft 2 · page 21

    heit, und für den Einzelnen an seinem Ort innerhalb der Gesamtgeschichte. Die Problematik des Gewissens ist der Versuch, geschichtslos., biographielos zu werden, den Augenblick festzuhalten, die Aktualität einer Gewissenssekunde in Permanen…

  10. 1927-01-01 · Heft 2 · page 22

    die Entfaltung im Keim mitgeschaffener Wahrheit ist, nicht ein Entwickeln vorbelichteter Platte, das Gewissen ist nicht die Stimme Gottes. Sondern das innere Gesetz des Gewissens ist das allgemeine Lebensgesetz: das Ergreifen im Verwandeln …

  11. 1927-01-01 · Heft 2 · page 23

    Bedeutung des Noch-zu-Vollendenden und darin Richtung bestimmenden hat, der geformten Seele aber durch seine eigene Dauerwürdigkeit den Charakter der Exemplarität verleiht. Ein Mensch lebt sich zu einem vollgültigen Träger einer Bestimmung …

  12. 1927-01-01 · Heft 2 · page 24

    habe ich mehr lebendige Unvollkommenheit - mit anderen Worten: Sehnsucht, Glaubenskraft - übrig, weil ich sie nicht an die Vollendung meiner Exemplarität wenden mußte. Im anderen Fall aber, wenn meine Lebensstunde mich in dem ewigen Weltwec…

  13. 1927-01-01 · Heft 2 · page 25

    Vollkommenheitsforderung meines Gewissens und die Verheißung, daß Gott Alles in Allem sein werde, einige Wirklichkeit ist. Hier wird die im rein diesseitigen Versuch tragische Haltung, das Gew ußte gewissensaktuell zu nehmen und also daran …

  14. 1927-01-01 · Heft 2 · page 26

    WERNER PICHT INTERNATIONALE VERSTÄNDIGUNG Internationale Verständigung, vor dem Krieg das Panier einer kleinen Schar fortschrittlicher Geister und offiziell mehr geduldet als gefördert, ist heute Schlagwort der großen Politik wie ungezählte…

  15. 1927-01-01 · Heft 2 · page 27

    es nicht leicht zu sein pflegt, dem Bauern Staatsgesinnung beizubringen, ihm etwa die Heeresfolge im Sinne einer Verteidigung seiner „Scholle" schmackhaft zu machen. Denn eben dieser Scholle verdankt er eine Verwurzelung auf anderer Ebene, …

  16. 1927-01-01 · Heft 2 · page 28

    europäische Vorherrschaft, Europa*) selber sich aufmacht auf die Suche nach neuen Ufern politischer Weltordnung - ein Streben, das bewußter als es geschieht als der einzig wirksame Gegenzug des im Zeichen eines nationalen Imperialismus in e…

  17. 1927-01-01 · Heft 2 · page 29

    nomischen und geistigen Lebens der Völker durch die Trennung in feindliche Lager und in der Sorge vor einer Wiederholung kriegerischer Auseinandersetzung hat man begonnen, sich aus einem Gemisch von Reue, Angst, politischer Berechnung und I…

  18. 1927-01-01 · Heft 2 · page 30

    zum Verhängnis geworden. Nach dem Krieg warf sich als erster ein antinationaler Internationalismus zu seinem Wortführer auf, der im allgemeinen die Ehrlichkeit, aber auch die Blindheit und Hemmungslosigkeit des utopischen Fanatismus hatte u…

  19. 1927-01-01 · Heft 2 · page 31

    inneren Menschen: daß in einer entscheidenden Stunde der Umlagerung des politischen und gesellschaftlichen Lebens und Erlebens wir zwar vor einer Zersetzung alter Formen und Uberzeugungen stehen, aber kein neuer Glaube unsere besten Kräfte …

  20. 1927-01-01 · Heft 2 · page 32

    trägt nicht nur die Wahrheit, sondern er fordert sie und wird durch sie gestärkt. Hier aber fürchtet man sich, die Dinge beim Namen zu nennen, um nicht den Fußbreit Boden, auf den man sich gerettet hat, zu gefährden. Die „Erneuerer der Welt…