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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 2 · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 2
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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es nicht leicht zu sein pflegt, dem Bauern Staatsgesinnung beizubringen, ihm etwa die Heeresfolge im Sinne einer Verteidigung seiner „Scholle" schmackhaft zu machen. Denn eben dieser Scholle verdankt er eine Verwurzelung auf anderer Ebene, und er empfindet instinktiv, daß er, mag auch das Regiment wechseln, unangreifbarer ist als irgend einer. Seine Entscheidungsschlachten schlägt er dem Nachbarn, bei seinen Staatsaktionen geht es um Eheschließung und Erbe. Er ist höchst persönlicher Familienpolitik auf der einen, der ewigen Erde auf der andern Seite zu verhaftet, um sich leicht dem Staate hinzugeben. Dieser Staat und der Kampf um seine Form ist vielmehr in allererster Linie Angelegenheit der deracines, das heißt vor allem des Akademikers und des Industriearbeiters. Es spricht nicht für die Weisheit unserer Vorkriegsregenten, daß sie nicht - wie das zum Beispiel Naumann früh getan hat - im Arbeiter den potentiellen Patrioten erkannten, trotz Internationale und mangelnder historischer Verwurzelung. Es bleibt eine der bedeutsamsten Tatsachen der Geschichte unseres Jahrhunderts, daß der Bestand Deutschlands, nach dem Krieg in einem uns kaum mehr bewußten Grade bedroht, wesentlich dank der nationalen Haltung der Arbeiterschaftgesichert wurde. So wird der Arbeiter neben dem Akademiker, und vor Bauer und Bourgeois, mit soziologischer Notwendigkeit Hüter des Nationalstaats und findet in seinem Verhältnis zu ihm eine gewisse innere Geborgenheit, wie er sich vor seiner Einordnung in das Staatswesen in eine Staatsideologie geflüchtet hatte. Erleichtert wird dem Arbeiter-Patrioten dieser Sehritt freilich dadurch, daß der Nationalismus seinen Höhepunkt im Weltkrieg erreicht - und überschritten hatte. Darüber können die seither aufgetretenen hitzigen neuen Nationalismen ebensowenig täuschen wie die gegenwärtige Überspannung des Nationalgefühls in Frankreich und Italien. So sicher der Nationalismus nicht ausgespielt hat, ja im Gefolge zivilisatorischer Weltdurchdringung noch einen gewaltigen Eroberungszug vor sich sieht, so gewiß hegt, säkular gedacht, seine große Stunde, die Stunde der Herrschaft der nationalistischen Ideologie über das menschliche Denken, hinter uns. Das ist eine Feststellung, die heute unabhängig von persönlicher Neigung und politischer Einstellung möglich ist. Wir erleben das Schauspiel, daß, während der nationale Gedanke, das Kind Europas, die Waffen liefert zu einer weltumfassenden Emanzipationsbewegung gegen 149

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