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  1. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 138 · Die Sprache der Ostjuden

    die Kulturemanzipation, und seine Schüler suchten aus den angedeuteten Gründen das Jiddische auf jede nur erdenkliche Weise auszurotten. Ihre völlig unzulängliche philologische Erkenntnis ließ sie glauben, daß es sich tatsächlich um ein ver…

  2. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 139 · Die Sprache der Ostjuden

    fassen. Die grausamen, blutigen Judenverfolgungen begannen das Gewissen der Külturwelt ein wenig aufzurütteln, der Osten wurde „entdeckt". Man sah zu seinem Staunen, daß es sich nicht nur um verfolgte, hilfsbedürftige Menschen handelte, son…

  3. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 140 · Die Sprache der Ostjuden

    …rache ^gepredigt, und wenn ihre Sprache sich irgendwie von der anderen unterschieden hätte, wäre die bekannte Klage des Agobard von Lyon nicht begreiflich, der in seinem Buche „Os insolentia Judaeoram“ beweglich jammert, Daß Christen in die Synago…

  4. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 141 · Die Sprache der Ostjuden

    141 Dorthin brachten sie nun ihre deutsche Sprache, ihre deutsche Tracht und ihre deutschen Sitten. Man mag erstaunt sein, daß sie sich nicht in kürzester Zeit ihrer slawischen Umgebung assimilierten, waren sie doch eine kleine Minderheit i…

  5. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 142 · Die Sprache der Ostjuden

    142 sich manches alte deutsche Gut erhalten haben wird. Daß der Kaftan z. B. höchstwahrscheinlich nichts ist, wie der alte deutsche Rock, ist nicht unbekannt. Es dürften 'aber noch recht viele andere derartige Erinnerungen an längst vergang…

  6. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 143 · Die Sprache der Ostjuden

    143 Wußte keiner, daß er seine eigene Vergangenheit damit verlachte. Auf reichsdeutschem Boden ist das Jiddische seitdem verschwunden. Selbst in den ehemals polnischen Gebietsteilen, die durch die erste und zweite Teilung Polens zu Preußen …

  7. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 144 · Die Sprache der Ostjuden

    144 — außerordentlich erschweren. Vor allem liegt das an den hebräischen Schriftlichen, welche, zur Auszeichnung semitischer Idiome bestimmt, sich für eine indogermanische Sprache durchaus nicht eignen und wegen ihres völlig unzureichenden …

  8. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 145 · Die Sprache der Ostjuden

    145 und der Südrussen, die auch wieder in eine ganze Anzahl von Gruppen zerfallen. Ob aber diese Spaltung auf ursprüngliche deutsche Dialektverschiedenheiten zurückzuführen sein wird, ist eine Frage, die wissenschaftlich noch sehr eingehend…

  9. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 146 · Die Sprache der Ostjuden

    146 - polnischen und kleinrussischen Sprache nachweisbar. Es handelt sich dabei meist um Dinge des Alltagslebens, die sich auf Nahrung, Handwerk, Kleidung, Wohnung und Umgang beziehen. Daß Begriffe des Familienlebens wie „babe" („Großmutter…

  10. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 147 · Die Sprache der Ostjuden

    147 *- i Ausdrücke für geistiges und sittliches Leben und Streben, mnd jene, die sich auf das Familien- und Eheleben beziehen. Es sei aber hervorgehoben, daß auch in gottesdienstlichen Dingen das Judentum Polens so manchem deutschen Ausdruc…

  11. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 148 · Die Sprache der Ostjuden

    * 148 - glaubt, so z. B. wenn die Eigenschaftswörter auch da stark dekliniert werden, wo es bei uns nicht mehr üblich ist, wenn es beispielsweise heißt „Gott der Gerechter". Ebenso interessant wie schwierig und ungeklärt ist die Lautlehre. …

  12. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 149 · Die Sprache der Ostjuden

    149 einander Vorkommen. Nun ist aber außerdem das Jiddische garnicht aus» einer mittelhochdeutschen Schriftsprache, etwa aus der des Nibelungenliedes abzuleiten, sondern aus Mundarten, von denen uns teilweise nur wenige. Schriftdenkmäler er…

  13. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 150 · Die Sprache der Ostjuden

    150 mit „wollen" statt „werden". „Ich wel geben", „ich werde geben" u.s.f. Das Konditionale wird ebenso ge-- bildet, also „ich wolt haben". Ferner besitzt das Jid-- dische die Fähigkeit, durch Anhängung der Silbe „ig" Ableitungen von Partiz…

  14. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 151 · Die Sprache der Ostjuden

    151 „mis" auf, welche im Neuhochdeutschen nicht selbständig, sondern nur in Zusammensetzungen vorkommt. Diese wenigen flüchtigen Betrachtungen der verschiedenen Gebiete werden zum mindesten das eine erwiesen haben, daß von einer verdorbenen…

  15. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 152 · Die Sprache der Ostjuden

    152 zu dem Ergebnis, daß das Jiddische weit besser dasteht. Und das ganz besonders, wenn man an die Zeit des achtzehnten Jahrhunderts denkt. Ein Gemisch, wie jenes bekannte Wort eines preußischen Königs, der seine „Souveränität wie einen Ro…

  16. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 153 · Die Sprache der Ostjuden

    153' <N Vor allem für die Frauen, welche ja das Hebräische nicht verstanden, mußten Erbauungswerke geschaffen werden, und schon um das Jahr 1600 war die bekannte Übertragung und Bearbeitung des Pentateuchs und der fünf Rollen, das Frauenbuc…

  17. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 154 · Die Sprache der Ostjuden

    154 die Uebersetzungsliteratur gedacht. Wer auf den Juden Einfluß gewinnen will, muß seine Sprache reden, und das wissen alle Bestrebungen, welche unter den Juden des Ostens Verbreitung suchen. So unternimmt es die Judenmission, ihre Opfer …

  18. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 155 · Die Sprache der Ostjuden

    155 einer deutschen Wiedergabe des arabischen Originals ent» stammen. Eins der ältesten Erzeugnisse dieser Art ist das sogenannte Maissebuch (Geschichtenbuch), das 1602 in Basel von einem unbekannten Sammler herausgegeben wurde. Weit volkst…

  19. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 156 · Die Sprache der Ostjuden

    156 (Kommt der liebe Sommer, Spielen wir im Sand. Kommt der liebe Winter, ’ Fahren wir auf's Land. Schwarze Kirschen pflücken wir, Rote lassen wir stehen. Schöne Jungen nehmen wir. Garstige lassen wir gehen. Schwarzer Zigeuner, Du bist nich…

  20. 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 157 · Die Sprache der Ostjuden

    167 treffender, wenngleich bitterer Humor, der übrigens,. wenn auch seltener, auch in den Volksliedern zu findenist. Bemerkt -fei noch, daß unter den älteren Volksliedern die Liebespoesie sehr spärlich vertreten ist. Das rührt von den frühe…