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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 149

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Die Sprache der Ostjuden
Date
1916-01-01
Page
Seite 149 (sequence 15)
Language
German
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149 einander Vorkommen. Nun ist aber außerdem das Jiddische garnicht aus» einer mittelhochdeutschen Schriftsprache, etwa aus der des Nibelungenliedes abzuleiten, sondern aus Mundarten, von denen uns teilweise nur wenige. Schriftdenkmäler erhalten sind, die -also erst noch festgestellt werden müssen. Bedenkt man noch die anderen Hindernisse, die Ungenauigkeit in der Wiedergabe durch die hebräischen Buchstaben, die Schrjststellerunart, sich an das Neuhochdeutsche anzulehnen, so wird man die unendliche Schwierigkeit erkennen, mit der man bei der wissenschaftlichen Bearbeitung gerade der Lautlehre zu kämpfen haben wird. Interessant aber nicht ausfallend ist, daß die Laut- -gesetze der jiddischen Sprache teilweise auch für die Aussprache des Hebräischen zu walten scheinen. Aus „mauro", die Furcht, wird im jiddischen „moire", aber nur im Polnischen Dialekt, der aus dem mittelhochdeutschen „ou", das wir „au" aussprechen, „eu" gemacht hat. Wie mittelhochdeutschem „uo" in unserer Sprache ein „u", im polnischen Dialekt ein „ü" entspricht („guot" ist zu „gut" und „gut" geworden), so steht neben unserem „boruch" polnisches „borüch". Gerade auf dem Gebiete der Phonetik muß man sich vor zufälligen Uebereinstimmungen in Acht nehmen. So ist die oft beobachtete Aehnlichkeit mancher englischer Vokale mit den jiddischen ohne jeden historischen Zusammenhang. Bemerkt sei noch, daß man bei der Untersuchung aller phonetischer Fragen unbedingt die lebendige Sprache zu Hilfe nehmen muß. Auf die Schrift ckann man sich nur schlecht verlassen, denn es ist klar, daß es zu Verwechslungen und Unsicherheit kommen muß, wenn z. B. das hebräische „Jod" zur Wiedergabe -einer ganzen Reihe von Vokalen dienen muß. - Die Formenlehre weist in sehr vielen Stücken bedeutende Aehnlichkeit mit dem Mittelhochdeutschen auf. Einige interessante Eigentümlichkeiten seien hier angeführt. üSttt charakteristischer Unterschied zwischen dem Jiddischen und unserem Deutsch, wobei übrigens das Jiddische mit dem Englischen übereinstimmt, ist die Bildung der Zukunft

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