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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 151

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Die Sprache der Ostjuden
Date
1916-01-01
Page
Seite 151 (sequence 17)
Language
German
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151 „mis" auf, welche im Neuhochdeutschen nicht selbständig, sondern nur in Zusammensetzungen vorkommt. Diese wenigen flüchtigen Betrachtungen der verschiedenen Gebiete werden zum mindesten das eine erwiesen haben, daß von einer verdorbenen oder einer „verhunzten" Sprache gar keine Rede sein kann, und daß das Jiddische dasselbe Anrecht auf Achtung und Beachtung hat, wie jeder andere deutsche Dialekt. Man darf es freilich nicht mit dem unangenehmen Gemauschel verwechseln, mit welchem manche Witzblätter in blöder und geistloser Art ihre Spalten füllen. Das Jiddische ist ebenso eine verdorbene Sprache, wie etwa die Sprache Reuters oder die schlesische Mundart Gerhart Hauptmanns es sind. Schönheit der Sprache ist gewiß ein sehr relativer und noch mehr subjektiver Begriff, der nicht nur vonrein ästhetischen und anderen Gesühlsrnomenten abhängig ist, sondern mehr oder minder auch von gedanklichen Erwägungen beeinflußt ist. Wer aber völlig absteht von den Urteilen über die lebenden Vertreter dieser Sprache, wer unbefangen, ohne Haß und Voreingenomnrenheit zu urteilen vermag, der wird auch aus der Klangwirkung des Jiddischen verspüren, was phonetische und grammatikalische Ueberlegung ihm bereits bewiesen hat, nämlich daß es sich um eine volltönende, schöne und der Erhaltung durchaus würdige Sprache handelt. Bliebe noch ein Vorwurf, der dem Jiddischen immer wieder gemacht wird, daß es nämlich eine Mischsprache sei, daß slawische und noch mehr die hebräischen Beimischungen ihm den Charakter einer selbständigen Sprache und erst recht den eines deutschen Dialekts rauben. Es ist bereits hervorgehoben worden, daß das Jiddische nur im Wortschatz Beeinflussung erfahren, und daß es alle fremden Bestandteile wie deutsche Wörter behandelt und abgewandelt hat, sodatz der deutsche Grundcharakter nirgends verloren gegangen ist. Wenn man aber die Menge der hebräischen und slawischen Wörter etwa mit den französischen Fremdwörtern der neuhochdeutschen Sprache vergleichen wollte, so käme man doch

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