Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 146

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Die Sprache der Ostjuden
Date
1916-01-01
Page
Seite 146 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111104-3116909--5326-3117087
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

146 - polnischen und kleinrussischen Sprache nachweisbar. Es handelt sich dabei meist um Dinge des Alltagslebens, die sich auf Nahrung, Handwerk, Kleidung, Wohnung und Umgang beziehen. Daß Begriffe des Familienlebens wie „babe" („Großmutter", aus polnischem „baba" — „Frau", vergl. „babka" — „Großmutter") aus dem slawischen hergeleitet werden, ist eine Ausnahme. Es ist aber wohl zu beachten, daß diese Einflüsse sich nur auf den Wortschatz beziehen und daß auch diese Lehnworte grammatikalisch nach den Gesetzen des Deutschen behandelt werden. Aus polnischem „chrapac" wurde im Jiddischen „chropen" und solcher Beispiele finden sich viele Dutzende. Dasselbe ist übrigens in England und' Amerika zu bemerken, wo leider eine häßliche Mischsprache entstanden ist, die vielen Anlaß zu Heiterkeit gibt und an das berüchtigte Elsässer Französisch erinnert. Im Ghetto von London und New-Iork ist es nicht weiter auffällig, wenn man „shopen" statt „kaufen gehen", „sellen" statt „verkaufen" hört. Ferner erhielt die Sprache im Wortschatz eine wesentliche Bereicherung und Veränderung durch das Hebräische, und zwar waren es hier zunächst die Dinge des Gottesdienstes und der Religion, welche naturgemäß in dieser Sprache wiedergegeben wurden. Zum Teil waren es auch Begriffe, welche sich als termini technici nicht übersetzen ließen. „Kiddusch" und „Hawdolo", ebenso wie Hunderte von anderen Ausdrücken gaben in Uebertragungen nicht den rechten Sinn. Aber bei dem gewaltigen Einfluß, den die Religion auf das Alltagsleben hatte, bei der allgemeinen Kenntnis der Thora und des Gebetbuches, die jeder Jude besaß, bei der Ausdehnung, die das „Lernen" im Talmud und den Dezisoren angenommen hatte, war es nicht verwunderlich, wenn so manche Wendung des biblischen und talmudischen Schrifttums auch in die profane Umgangssprache drang, und wenn die vielen Wendungen gebraucht werden, die auch unser Geschlecht noch allgemein versteht. Zu den r ein religiösen Begriffen traten noch viele andere, die zur Religion in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis standen, so die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.